Kliniken und Einrichtungen im Klinikverbund Südwest:

Suchen im Verbund

Inhalte durchsuchen
Hier können Sie den kompletten Inhalt der Webseite durchsuchen.
Personensuche
Sie suchen eine Person im Klinikverbund?
Durchsuchen Sie unsere gesamte Adressliste.
Med. Wegweiser
Geben Sie Ihren Behandlungswunsch ein und finden Sie die richtigen Ansprechpartner im Klinikverbund.
Sie sind hier:  /  Klinikverbund Südwest  
Schrift: Schrift vergrößern Schrift verkleinern

Medizinische Kompetenzzentren

Aus dem Klinikverbund Südwest 

06.08.2012 - Klinikverbund Südwest

Komplikation auf Knopfdruck

Simulationstrainings halten auch bei der Behandlung der kleinsten Patienten Einzug in die Medizin

Die Szenarien klingen für Laien furchteinflößend, für die Experten zumindest mehr als anspruchsvoll: Drittes Kind, vaginale Blutungen, Patientin instabil mit Verdacht auf Plazenta-Ablösung, Puls und Atmung des Neugeborenen sind direkt nach dem Notkaiserschnitt schwach – kein wirklich guter Start ins Leben. 2.900 Gramm Mensch, gerade einmal eine Minute auf der Welt und schon kämpft ein Heer von Spezialisten um das Leben des neuen Erdenbürgers. Was in der Realität Gott sei Dank äußerst selten vorkommt, muss dennoch von den Medizinern trainiert werden. „Ärzte bewegen sich regelmäßig in Extremsituationen“, erklärt Dr. Winfried Schürmann, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Herrenberg. „Sobald aber Kinder oder gar Säuglinge betroffen sind, erhöht sich der Stresslevel auf die behandelnden Teams drastisch. Die Möglichkeiten, im klinischen Alltag die für die Behandlung lebensbedrohlicher Zustände notwendige Routine zu erlangen, sind begrenzt.“ Einer der Hauptgründe, warum er zusammen mit Dr. Ines Vogel, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Herrenberg, für den Klinikverbund Südwest ein Neugeborenen-Reanimationstraining initiiert hat.

Der Stuttgarter Pädiatrie Simulator, kurz STUPS, bietet hier die Möglichkeit, Zwischenfälle bei
Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern zu trainieren. Kernstück des Trainings ist der Neugeborenen- und Säuglingssimulator: Die „Puppe“ sieht ein wenig aus wie ein Crashtest-Dummy, den man aus der Automobilindustrie kennt, und ist vollgepackt mit High-Tech. Der kleine Brustkorb hebt und senkt sich bei der Atmung, ein Puls ist tastbar. Zudem kann sie husten, weinen und krampfen. Und im Falle von Sauerstoffmangel verfärbt sich die „Gesichtshaut“ blau. Kontrolliert und gesteuert werden die gesamten Reaktionen des Dummys aus einem Nebenraum vom Kommandostand des Ausbilderteams. Dieses entwickelt und steuert auch die realitätsnahen Szenarien, mit denen die Teilnehmer klarkommen müssen. Hierzu zählen sämtliche pädiatrischen Notfallsituationen und Komplikationen, das Training der Kinderreanimation, das schwierige Atemwegsmanagement im Kindesalter, Narkoseeinleitung sowie Schock- und Traumabehandlung. Beatmen, Zugänge für Medikamente legen oder auch Wiederbelebungsmaßnahmen, alles ist schon aufgrund der Körpergröße viel diffiziler als bei ausgewachsenen Patienten. 34 Teilnehmer aus dem ganzen Klinikverbund, schwerpunktmäßig Ärztinnen und Ärzte aus den Fachbereichen Anästhesie- und Intensivmedizin, der Geburtshilfe sowie zahlreiche Krankenpflegerinnen und Hebammen werden so vom Ausbilderteam um Dr. Christina Jaki, Leiterin des STUPS, zwei Tage am Krankenhaus Herrenberg aufs Äußerste gefordert.

„In Punkto Simulationstraining ist die Fliegerei der Medizin hier um rund 30 Jahre voraus“, schätzt Dr. Jaki. „Dafür hinkt beispielsweise aber auch die Schifffahrt noch um Jahre hinterher: Hier ist nachwievor der Kapitän König, in der Medizin muss aber das komplette Team perfekt harmonieren.“ Dafür ist neben den fachlichen Qualifikationen vor allen Dingen eines wichtig: Kommunikation untereinander. Deutschland tut sich hier allgemein aber noch sehr schwer: In der Medizinerausbildung sind die weichen, sogenannten Human Factors oder Skills wie Kommunikation oder Ressourcenmanagement in Notfällen bisher kaum vertreten. Ganz anders in den Niederlanden, wo solche Dinge bereits in der Ausbildung am Patientensimulator verpflichtend geübt werden müssen.

Obwohl die im Klinikverbund Südwest angebotenen Trainings daher freiwillig sind –ähnliche gab es bereits für Anästhesieteams oder auch Unfallchirurgen – ist das Interesse der Teilnehmer riesig. Umringt von Ärzten, Hebammen und Pflegepersonal ist das kleine Technik-Bündel selbst zwischen den Szenarien kaum mehr auszumachen und der anwesende Mediziningenieur hat alle Hände voll zu tun, den Patienten-Dummy zwischen den Übungen immer wieder fit zu bekommen für das nächste Behandlungsteam. Jeweils im Anschluss erfolgt mit allen Teilnehmern eine videogestützte Nachbesprechung des Falles. Was war gut, wo gibt es Verbesserungspotenzial, wurden auch unter den ungünstigen und unübersichtlichen Bedingungen der Fallkonstellation alle Maßnahmen effektiv im Team umgesetzt? Alles immer mit dem vordergründigen Ziel vor Augen, die Patientenversorgung- und die Patientensicherheit durch regelmäßiges Training konstant auf dem höchstmöglichen Level zu halten.

Suche nach:
Einrichtung:
Datum von ..
bis ..
Letzte Änderung: 09.06.2009