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Biodegradable Implantate 

Kleine Gelenkfrakturen sind eine Herausforderung an den Operateur. Sowohl das Entfernen kleinerer Fragmente, als auch deren inkorrekte Fixation können im ungünstigsten Fall zu einer Störung der Gelenkkongruenz und damit zur frühzeitigen Arthrose führen. Knochen und Knorpel tragende Fragmente, die größer als 10 mm sind und dem belastetem Gelenk entstammen, sollten daher möglichst frühzeitig fixiert werden. Zur Stabilisierung der kleinen Fragmente können Minischrauben verwendet werden, die den Nachteil haben, dass sie entweder von Gelenkoberfläche aus eingebracht mit ihren voluminösen Köpfen überstehen und somit die gegenseitige Gelenkfläche schädigen können oder wenn sie von gelenkfern eingebracht werden, nur mit geringem Gewindehub das Fragment fassen und ggf. ebenfalls ins Gelenk ragen können.

Bereits in den 60er Jahren wurden sich selbstauflösende Implantate aus Milchsäure (Polylactid) und anderen Polymeren wie z.B. Polyglykolid entwickelt, die bei ausgewählten Indikationen eingesetzt werden können.

Nach über 40jähriger Entwicklung und Testung und vielen Fehlschlägen weiß man heute, dass bioresorbierbare Implantate für kleinere Knochen-Knorpelfrakturen am Gelenk sehr gut geeignet sind. Wir setzten daher biodegradierbare Implantate aus Poly-L/DL-Lactid (Polypin®) zur Behandlung derartiger Frakturen ein.

Die Stifte, die einen Durchmesser von 1,5, 2,0 und 2,7 mm aufweisen und kaum größer als ein Streichholz sind, können unter den Knorpel versenkt werden und ermöglichen durch die Rillen eine dübelartige feste Verankerung.

Abb.: sich selbstauflösende 2 mm Stifte aus Milchsäure im Größenvergleich mit einem Streichholz

Speichenköpfchenbrüche (Radiuskopffrakturen)

Gerade die häufig vorkommenden Speichenkopffrakturen können wenn sie verkippt werden gut mit den Stiften versorgt werden.

Über einen kleinen Zugang am Ellenbogen wir die Fraktur aufgerichtet und mit einem zwei Stiften stabilisiert.

So kann man gipsfrei nachbehandeln und den Arm wieder sofort bewegen. Eine Belastung ist nach der 6. Woche möglich. Eine Metallentfernung ist nicht mehr erforderlich, da sich die Implantate nach 18- 24 Monaten aufgelöst haben.

Abb: Schema Versorgung einer Radiuskopffraktur mit Polypin-Stiften


Röntgen Unfall


OP Befund mit verkipptem Kopf


OP Befund nach Stabilisierung

Röntgenbild nach OP ohne Metall

Bei 35 Patienten (22 Männer und 13 Frauen) mit dislozierten Meißelfrakturen, die so behandelt wurden betrug die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit nur 4,6 Wochen. Sportfähigkeit wurde nach im Mittel 14,4 Wochen erreicht.

34 der 35 Patienten wurden klinisch und konventionell radiologisch nachuntersucht. Auf den konventionellen Röntgenbildern des Ellenbogens waren bei der Nachuntersuchung keine Knochenveränderungen nachweisbar.

Der Broberg-Score, einem typischen Ellenbogenscore, bei dem im günstigsten Fall 100 Punkte möglich waren, betrug bei allen untersuchten Patienten im Mittel 96 Punkte nach 38,2 Monaten. 31 Patienten wiesen exzellente Ergebnisse auf, zweimal wurden gute und einmal ein schlechtes Ergebnisse erreicht. Die durchschnittliche Bewegungseinschränkung bei Innen- und Außenrotation betrug 8,1° und bei Beugung und Streckung 9,5° im Vergleich zur unverletzten Gegenseite. Das sind bessere Ergebnisse als bei metallischen Implantaten.

 

Hüftkopfbrüche (Pipkinfrakturen:

Auch bei diesen seltenen und komplizierten Hüftkopfbrüchen nach Verenkungen des Hüftgelenkes können sich selbstaufllösende Stifte mit sehr gutem Erfolg eingesetzt werden.

Sie können von der Gelenkfläche optimal eingebracht werden. Damit reiben Sie im Gegensatz zu Schrauben nicht im Gelenk und führen somit auch nicht zu Knorpelzerstörungen. Die Entfernung der Implantate zu der eine erneute Auskugelung des Gelenkes nötig wäre ist bei den sich selbstauflösenden Implantaten nicht nötig. Oftmals begleitende Hüftpfannenrandfrakturen müssen trotzdem mit Schrauben und Platten versorgt werden um genügend Stabilität zu erreichen.


Rönten Unfall Verrenkungsbruch         


OP Befund: Kopffragment mit Stiften wieder befestigt

CT Kontrolle nach 2 Jahren: Stifte aufgelöst

Wir haben uns unsere Patienten mit Pipkin Frakturen über einen hinteren Zugang notfallmäßig operativ versorgt. Alle Frakturen heilten knöchern ohne Dislokation aus.

Das durchschnittliche Bewegungsausmaß bei einer Nachuntersuchung im Mittel von 54 Monaten betrug bei Beugung und Streckung im Hüftgelenk 109°-0°-0° und bei Abduktion und Adduktion 37°-0°-29°. Durchschnittlich bestand unfallbedingt für 20,3 Wochen Arbeitsunfähigkeit. Im Merle d´Aubigné-Score wurden im Mittel 13,1 von 18 möglichen Punkten erreicht.

 

Brüche des Kniegelenkes (Femurkondylenfrakturen):

Auch bei Kniegelenksfrakturen eignen sich die sich selbst auflösenden Stifte gut. Sie werden vom Gelenk aus eingebracht und brauchen nicht wieder entfernt werden.

 

Röntgen Unfall

offener Kniegelenksbruch  

Gelenkfragment befestigt mit Stiften

Röntgen nach 2 Jahren - Stifte aufgelöst

Bei den Patienten mit osteochondralen Kniegelenksfrakturen wurden die Brüche mit biodegradablen Polypin Stiften fixiert. Das Bewegungsausmaß im Knie betrug bei Beugung und Streckung zur Nachuntersuchung im Mittel 112°-0°-5°. Es wurden nur gute und zwei befriedigende Ergebnisse erzielt.

Nach 17,8 Wochen konnten die Patienten ihre Arbeit wieder aufnehmen. Ihre Sportfähigkeit erlangten sie nach 29,5 Wochen zurück.

 

Fazit:

Biodegradable Poly-L/DL-Lactid-Stifte sind in der Lage kleine wenig auf Scherung belastete Frakturen sicher zur Ausheilung zu bringen. Durch die schrittweise Auflösung und die damit zeitgleich einhergehende knöcherne Durchbauung des ehemaligen Implantatlagers behält der Knochen seine gleich bleibende Stabilität. Die Implantate lösen sich nach zwei bis drei Jahren vollständig auf und werden mit narbigem Ersatzgewebe oder mit Knochen ersetzt. Eine Metallentfernung mit den damit einhergehende Kosten und Risiken ist nicht erforderlich.

Die guten klinischen Langzeiterfahrungen sprechen daher für einen zunehmenden Einsatz dieser Implantate bei ostoechondralen Frakturen.

 

Unsere Klinik bietet Ihnen diese modernen Implantate an.