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Schulterschmerz 

In den 80er Jahren war ein steiler Anstieg an neuen Erkenntnissen und therapeutischen Ansätzen in der Schulterchirurgie zu verzeichnen. Als Gründe hierfür sind verbesserte Operationstechniken und eine Wandlung in der Schulterdiagnostik zu nennen.
War früher die konventionelle Röntgendiagnostik mit Kontrastmitteluntersuchung als Methodenwahl zu nennen, so stehen heute die modernen Schnittbildverfahren Sonographie, CT, Arthro-CT, MRT und Arthro-MRT im Vordergrund der radiologischen Schulterdiagnostik.
Mit diesen neuen diagnostischen Verfahren der Radiologie ist es möglich, den früher bei Schulterschmerzen gewöhnlich verwendeten Ausdruck der Periarthropatia humero-scapularis durch genaue strukturbezogene Diagnosen zu ersetzen und wirksam zu behandeln.

Parallel zu den radiologischen Verfahren hat sich auch im Schultergelenk die Arthroskopie rasant entwickelt. Als invasive diagnostische Methode ermöglicht sie eine morphologische und funktionelle Beurteilung der Gelenkstrukturen und hat so viel zum besseren Verständnis des Schultergelenkes beigetragen. Insbesondere hat sich die Schulterarthroskopie zunehmend als eine ganz neue operative Möglichkeit etabliert.
Das Schultergelenk weist den größten Bewegungsumfang aller Gelenke auf. Die große Bewegungsfreiheit der Hand, die wir zum "Begreifen" unserer Umwelt einsetzen können, beruht in erster Linie auf der Beweglichkeit des Schultergürtels, der bei allen Bewegungsabläufen von einer Vielzahl von Muskeln beeinflusst wird. Der großen Oberfläche des Oberarmkopfes steht eine relativ kleine Schulterpfanne gegenüber, die nur ca. 30 % des Oberarmkopfes bedeckt. Da eine knöcherne Haltefunktion fehlt, muss das Schultergelenk durch andere Strukturen stabilisiert werden.

Dies sind im einzelnen:

Labrum glenoidale ( knorpelige Gelenklippe), vordere Kapsel, vordere Kapselbänder, Kapselvolumen, Adhäsions und Kohäsionskräfte, Größe, Form und Orientierung der Gelenkpfanne, aktive Kräfte der Gelenkkompression durch die Muskeln der Rotatorenmanschette und über die lange Sehe des Bicepsmuskels. Nach oben wird das Schultergelenk durch das teilweise knöcherne, teilweise bandförmige Schulterdach gesichert Bewegungen des Oberarmkopfes gegenüber dem Schulterdach werden durch einen Schleimbeutel erleichtert. Gerade in diesem oberen Anteil des Schultergelenkes im sog. Schulterdachbereich ist oftmals die Ursache für akute oder chronische Schulterschmerzen zu finden.

Das Engpass - oder Impingementsyndrom bedarf einer besonderen Betrachtung, weil es für viele Erkrankungen und Verletzungsfolgen steht, die alle mit gleichen oder zumindest ähnlichen Symptomen einhergehen. Typische Beschwerden sind der Bewegungsschmerz bei Abduktion im Schultergelenk (sog. schmerzhafter Bogen), Schmerzen bei maximaler Innen-Drehung des Armes (Schürzengriff), nächtlicher Schulterschmerz und Schmerzen bei längerem Liegen auf der betroffenen Schulter.

Ein Krankheitsbild, das zu Beginn oft anfallsartig ohne Anlass zu sehr starken, manchmal unerträglichen Schmerzen der Schulter führt, ist die sog. Tendinitis calcarea. Oftmals sucht der Patient hierbei den Arzt erstmals nach einer schlaflosen Nacht auf. Schon die geringste Berührung oder Lageveränderung, erst recht die Palpation seiner Schulter ist äußerst unangenehm. Bei dem sog. Kalkdepot handelt es sich um Hydroxylapatit, das in der Nähe des Rotatorenmanschettenansatzes aus unbekannter Ursache eingelagert wird. Gerade bei diesem Krankheitsbild kann oftmals in der Akutphase durch Ausräumung ( sog. Needling) des Kalkdepots nahezu schlagartig Schmerzfreiheit erzielt werden. Bei der Schulterluxation tritt der Oberarmkopf aus der Schulterpfanne aus. Meistens kommt es hierbei bedingt durch eine äußere Gewalteinwirkung zu einem Verhaken des Oberarmkopfes am vorderen unteren Pfannenrand. Nicht zuletzt deshalb ist eine rasche und schonende Wiedereinrichtung der verrenkten Schulter notwendig.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es nach Erstluxation einer gesunden Schulter zu einem Rezidiv (erneutes Auskugeln der Schulter) kommt, ist umso höher, je jünger der Patient ist. So treten bei den bis 20jährigen Rezidive in ca. 90 % der Fälle ohne erneuten Unfall anlässlich einer sog. "Gelegenheitsursache" auf. Bedingt sind die Rezidive in aller Regel durch Abscherverletzungen im Bereich des Labrum glenoidale (knorpelige Gelenklippe am Rand der Schultergelenkspfanne ) Arthroskopisch kann man diese abgescherte Gelenklippe in einem minimal invasiven Eingriff wieder an ihrem ursprünglichen Platz befestigen und so ein drohendes Rezidiv verhindern.

Jungen Patienten wird man nach einer ersten Schulterausrenkung wegen der sonst drohenden Rezidivgefahr zu einem solchen Eingriff raten müssen. Bei Patienten, bei denen eine Schulterluxation erst nach dem 40. Lebensjahr auftritt, ist die Rezidivgefahr nicht so hoch. Bei diesen Patienten kommt es dagegen häufig gleichzeitig zu einer Verletzung im Bereich der sog. Rotatorenmanschette. Dies ist eine Sehenenkappe, die den Oberarmkopf umgreift und ihn in der Pfanne positioniert. Unbehandelt kann es dann zu einem Funktionsverlust und zu chronischen Schmerzen kommen. Bei einer ausgedehnten Zerreißung der Rotatorenmanschette ist deshalb die Schultergelenksarthroskopie mit nachfolgender Naht der Sehnen in arthroskopischer oder offener Technik notwendig. Zur Indikationsstellung , Beratung und Überwachung der Nachbehandlung unserer Patienten mit Schulterproblemen wurde an unserer Abteilung eigens eine Schultersprechstunde eingeführt.