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Verbrennungen 

Brandverletzungen

Was versteht man unter einer „Verbrennung“?

Unter den Begriffen „Brandverletzung“ oder „Verbrennung“ werden unterschiedliche Verletzungen  zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit im Wesentlichen die thermische Schädigung von Haut und ggf. tieferen Geweben ist. Sie können durch direkte Hitzeeinwirkung  (Feuer, Flamme, Explosion...), durch Kontakt mit heißen Gasen und Flüssigkeiten (Verbrühung) oder Festkörpern, durch energiereiche Strahlung (Sonnenbrand) oder im Gewebe entstehende Wärme (Stromdurchfluß) entstehen. Im weiteren Sinne rechnet man auch Schädigungen durch nichtthermische Ursachen  hinzu, die ähnliche Veränderungen hervorrufen und wie Verbrennungen behandelt werden. Diese können physikalischer (Radioaktivität) oder chemischer Natur sein (Säure- und Laugenverätzungen) oder immunologische Ursachen haben (Lyell-Syndrom).  Im Allgemeinen ist eine von der Dauer und Intensität der Ursache abhängige Schädigung der Haut die Folge.

Die Anatomie der menschlichen Haut:

Die Haut ist mit ca. 1,5 bis 2 qm das größte Organ des Menschen. Je nach Region ist sie zwischen 0,5 und 5 Millimeter dick (Augenlid-Fußsohle). Die Haut besteht aus zwei Schichten, der aus sog. Epithelzellen bestehenden Oberhaut (Epidermis) und der Lederhaut (Dermis) die neben reichlich Bindegewebe die Hautanhangsgebilde (Haare, Drüsen) Blutgefäße und Nerven enthält. Die Haut schützt den Organismus vor schädlichen äußeren Einflüssen, sie dient der Wärmeregulation und ist ein wichtiges Sinnesorgan mit zahlreichen Nervenendigungen (Temperatur-, Berührungs-, Schmerzempfinden....). Die Haut ist außerdem das „Aushängeschild“ des Individuums, das Aussehen von Gesicht und Händen ist für den ersten Eindruck den man hinterlässt von größter Bedeutung.

Schwere der Verbrennungsverletzung:

In Abhängigkeit von Dauer und Intensität der Schädigung entstehen unterschiedlich schwere Verletzungen die nach Tiefe und Ausdehnung unterschieden werden.

Nach der Tiefe der Verletzung wird in vier Grade unterschieden:

Grad I oder epidermale Verbrennung:

Es ist nur die Oberhaut betroffen, die Haut ist gerötet, trocken und schmerzhaft. Blasen treten nicht auf. Der Schaden heilt in wenigen Tagen ohne Narben ab. Bekanntes Beispiel ist der Sonnenbrand.

Grad IIa oder oberflächlich dermale Verbrennung:

Die Oberhaut und oberflächliche Abschnitte der Lederhaut sind betroffen. Es bilden sich oberflächliche Blasen (wie Marschblasen). Die Haut darunter ist feucht, oft gerötet und schmerzhaft. Die Wunde heilt in etwa zwei Wochen ohne Narben ab.

Grad IIb oder tief dermale Verbrennung:

Oberhaut und der größte Teil der Lederhaut sind zerstört. Die Haut ist teils rot, teils weißlich,  wenig feucht oder sogar trocken, wenig schmerzhaft, Die Wunde heilt nur sehr zeitverzögert im Verlauf mehrer Wochen. Es entstehen Narben und ggf. Kontrakturen.

Eine chirurgische Therapie ist notwendig.

Grad III oder ganz dermale Verbrennung:

Alle Hautschichten sind zerstört. Die Wunde ist weiß oder bräunlich, sie kann mit normaler Haut verwechselt werden. Es schmerzt nicht und die Wunde heilt nicht ab. Eine Hautverpflanzung ist zur Defektdeckung notwendig.

Grad IV oder Verkohlung:

Außer der Haut sind tiefer liegende Gewebe wie Muskeln, Sehnen usw. bis hin zum Knochen zerstört.  Auch nach chirurgischer Therapie verbleiben Defekte, an Extremitäten können Amputationen notwendig werden. 

Ausdehnung der Verletzung:

Neben der Tiefe der Verletzung ist das Ausmaß der Schädigung entscheidend, es kann mit Hilfe der Neunerregel und Handflächenregel nach Wallace abgeschätzt werden.

 

Neunerregel:

Bei einem Erwachsenen entspricht der Kopf und jeder Arm jeweils 9% der Körperoberfläche, die Vorder- und Rückseite jedes Beines jeweils  9% und die Vorder- und Rückseite des Rumpfes jeweils 2x9% (=18%), das restliche Prozent entspricht der Fläche des Genitales.

 

Handflächenregel:

Die Fläche einer Hand (des Betroffenen!) entspricht einem Prozent seiner Körperoberfläche.

Erstmaßnahmen bei einer Verbrennung:

Unter Beachtung des Eigenschutzes muss der Verletzte geborgen und die Hitzequelle entfernt werden, ggf. wird brennende Kleidung durch Einwickeln in Decken oder Wälzen erstickt. Dann wird die Verbrennungswunde gekühlt, in der Regel durch Berieseln mit Leitungswasser. Die Temperatur des Wassers sollte 15-20 Grad nicht unterschreiten, keinesfalls Eis auf die Wunde. Eine Einwirkzeit von etwa 20 Minuten wird als ausreichend betrachtet, besonders Kinder, alte Patienten und Verunfallte mit mehr als 30% Verbrennungsfläche sind durch übermäßige Abkühlung und Schock gefährdet. Bei schweren Verletzungen umgehend den Notarzt alarmieren. Keine Speisen oder Getränke verabreichen. Bei Wohnungsbränden können durch Rauchgasinhalation Verwirrungszustände auftreten, diese Patienten nicht alleine lassen.

Wer wird wo behandelt:

Kleinere, oberflächliche Verletzungen (bis 5% bei Kindern, bis 10% bei Erwachsenen können ambulant chirurgisch behandelt werden.

Tiefere, mit operativen Interventionen zu behandelnde Verletzungen  und ausgedehntere  Verletzungen (über 10% bei Kindern, über 15% bei Erwachsenen) müssen stationär behandelt werden.

Sehr ausgedehnte, sehr tiefe und Verletzungen die Gesicht, Hände, Füße, Genitale oder Atemwege betreffen sollten in einer spezialisierten Einrichtung behandelt werden. Ebenso Säuglinge und Kleinkinder, Greise, multimorbide Patienten und solche mit schweren Stromverletzungen.

Weitere Therapie:

Erstgradige Verbrennungen werden lediglich mit kühlenden Umschlägen oder Gels behandelt. In manchen Fällen können cortisonhaltige Salben angewandt werden. Nach Abheilung sollte die Haut einige Zeit mit fettenden Salben oder Lotionen gepflegt werden.

Oberflächlich dermale Verbrennungen werden unter sterilen Kautelen gereinigt, lose Hautfetzen und offene Blasen werden abgetragen, Geschlossene Blasen bei oberflächlichen Wunden können als „Verband“ belassen werden. Die Wunden werden steril verbunden, ggf. kommen antiseptische Salben zum Einsatz. Kleinflächige Verletzungen können so in ca. zwei Wochen ausgeheilt werden, auch hier anschließend Hautpflege mit fettenden Salben usw.

Ausgedehnte oberflächlich dermale und tief dermale Verbrennungen werden chirurgisch durch operative Abtragung der Nekrosen bis in das darunter liegende durchblutete Gewebe behandelt. Zur Deckung der Wunden hat sich Suprathel (R)  bewährt. Es handelt sich hierbei um einen synthetisch hergestellten biodegradiblen Stoff, der als Membran auf die Wunde gebracht wird. Unter dieser schützenden Membran heilen die Wunden in der Regel rasch ohne weitere schmerzhafte Verbandwechsel ab, lediglich bei Problemen muss ggf. noch Haut verpflanzt werden.

Ausgedehnte sehr tief oder ganz dermale Verbrennungen werden ebenfalls durch Entfernung der zerstörten Hautschichten behandelt. Hier schließt sich in der Regel eine Verpflanzung eigener Haut an. Dazu wird mit einem Gerät eine ganz dünne Schicht der Oberhaut entnommen, der entstehende Defekt gleicht einer tiefen Schürfwunde und heilt in ca. 10 Tagen ab. Die gewonnene Haut wird entweder direkt verpflanzt, oder als sog. Maschentransplantat in eine Art Netz umgearbeitet um eine größere Fläche bedecken zu können. Die Lücken im Netz heilen dann von den Rändern her ab.

 

Weitere Informationen zum Thema Verbrennungen, Prävention und Behandlung von Brandverletzungen entnehmen Sie folgenden Internetseiten:

Cicatrix e.V. - Gemeinschaft für Menschen mit Verbrennungen und Narben

Paulinchen e.V. - Initiative für brandverletzte Kinder