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Marknagelung 

Die ersten Ansätze Knochenbrüche mit Drähten und Metallstiften zu stabilisieren reichen bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Als eigentlicher Wegbereiter der Knochenbruchbehandlung durch Schienung des Markraumes mit dicken Metallstiften, sog. Nägeln, ist Gerhard Küntscher zu nennen, der bereits 1939 die erste Marknagelung bei einer Oberschenkelfraktur durchgeführt hat.

Der Begriff "Nagelung" geht übrigens auch auf Gehrad Küntscher zurück, bzw. wurde von ihm speziell für sein Verfahren gewählt. Damit sollte die elastische Verspannung zwischen dem Material in das der Nagel eingebracht wird, in seinem Falle der Knochen, und dem Nagel selbst zum Ausdruck gebracht werden.

Marknagel für Unterschenkelfrakturen

Marknagel für gelenknahe Unterschenkelfrakturen

Was steckt nun hinter dem Prinzip der "Mark-Nagelung", die heute aus der modernen Knochenbruchbehandlung nicht mehr wegzudenken ist. Vereinfacht und auf das Wesentliche reduziert, könnte man sagen: Durch das Einbringen eines Metallstabes in den inneren Knochenhohlraum eines Röhrenknochens, den sog. Markraum, kommt es zu einer inneren Schienung des gebrochenen Knochens und damit zu einer Stabilisierung des Bruches.

Man kann mit diesem Verfahren, also jeden Knochen, der eine Markhöhle hat und genügend lang ist, stabilisieren, wenn er einmal gebrochen sein sollte.

Marknagel für Oberschenkelfrakturen

Marknagel für Oberarmkopffrakturen

Bei der operativen Versorgung einer solchen Fraktur ist das Vorgehen auf das Grundprinzip reduziert wie folgt: Die Markhöhle wird bruchfern durch ein einfaches Bohrloch eröffnet. Durch dieses Loch wird nun der "Nagel" in der Markhöhle bis zum Bruch vorgeschoben. Unter Röntgenkontrolle wird der Bruch dann gerade gerichtet und der Nagel über den Bruchspalt in die Markhöhle des anderen Knochenteils weitergeschoben.

Der Nagel besitzt an seinem oberen und unteren Ende Querlöcher. Durch diese Löcher werden nun nach vollständigem Einbringen des Nagels in den Markraum sowohl durch den äußeren Knochenmantel der Bruchstücke als auch durch den Nagel quer verlaufende Schrauben gelegt. Durch diese sog. "Verrieglung" kommt es zu einer weiteren Stabilisierung und Sicherung der Montage, insbesondere was die Drehstabilität und die Verkürzung betrifft.

Marknägel für aufsteigende Oberarmschaftfrakturen

Marknägel für absteigende Oberarmschaftfrakturen

Innere Schienung durch Nagelung, sowie zusätzliche Sicherung durch Verriegelung sind die zwei sich ergänzenden Hauptfaktoren der modernen Knochenbruchbehandlung mit dem Marknagel.

Aus diesem Verfahren lassen sich nun folgende wertvolle Vorteile ableiten

  • Vergleichsweise kleiner und bruchferner Operationsschnitt mit geringer Gewebetraumatisierung.
  • Der Bruch und die Knochenbruchstücke selbst müssen nicht freigelegt werden. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Störungen der Durchblutung der Bruchstücke.
  • Dadurch, dass der Kraftträger im Markraum zentral im Knochen liegt, ist die Kraftverteilung im Knochen und der Kraftfluß bei Belastung biomechanisch günstiger.

Diese Vorteile sind nun nicht allein theoretischer Natur, sondern sie schlagen sich nach der Operation auch unmittelbar spürbar auch als Vorteile für den Patienten nieder. Diese sind hauptsächlich:

  • Weniger Weichteilkomplikationen durch geringere intraoperative Weichteiltraumatisierung.
  • Schnellere Mobilisierbarkeit des Patienten nach der Operation.
  • Schnellere Belastbarkeit.

So ergibt sich insgesamt mit dieser Methode ein guter "Nachbehandlungs-Komfort" für den Patienten. Alle diese Vorteile, die auf das Prinzip der Markraum-Schienung zurückgehen, haben bewirkt, dass sich dieses Verfahren der Knochenbruch-behandlung in der Unfallchirurgie immer mehr durchgesetzt hat. Es hat in seinen weiterentwickelten Techniken althergebrachte, etablierte Behandlungsverfahren (wie z.B. die Stabilisierung der Frakturen mit Platten und Schrauben) aus dem Repertoire der Behandlungsmethoden in der modernen Unfallchirurgie weitgehend verdrängt.