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12.04.2017

Wettlauf gegen die Zeit

Zertifizierte Stroke Unit an den Kliniken Calw

„Jeder Schlaganfall ist ein Notfall!“ Der leitende Oberarzt der Neurologie am Calwer Krankenhaus, Klaus Kahle, und der Leiter der Stroke Unit Dr. Michael Gasser machen beim Rundgang durch die neu zertifizierte Stroke Unit deutlich, dass sie vom schwäbischen Understatement, dem berühmten „Schlägle“, nicht viel halten.

Dass das Thema Schlaganfall auch keinesfalls harmlos und mehr denn je aktuell ist, zeigen folgende Zahlen: Jährlich erleiden in Deutschland mehr als 260.000 Menschen einen Schlaganfall, statistisch somit ca. alle drei Minuten einer, bei rund einem Drittel der Betroffenen mit tödlichem Ausgang. Der Schlaganfall ist damit die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. „Allein auf der Schlaganfalleinheit, der sogenannten Stroke Unit der Kliniken Calw, behandeln wir mittlerweile jährlich mehr als 250 Schlaganfallpatienten, Tendenz steigend“, verdeutlich Klaus Kahle. Rettungsdienste und Kliniken führen seit jeher einen Wettlauf gegen die Zeit. „Time is Brain oder Zeit ist Gehirn heißt nicht umsonst der medizinische Leitsatz bei der Behandlung von Schlaganfällen, deren Ursache in rund 80 Prozent der Fälle eine Durchblutungsminderung einer begrenzten Region im Gehirn ist“, erläutert Dr. Joachim Hartmann, Chefarzt der Calwer Klinik für Neurologie. „Wird der Gefäßverschluss nicht umgehend behandelt und das Blutgerinnsel beispielsweise mittels einer Lyse-Therapie aufgelöst, stirbt der mit Sauerstoff unterversorgte Teil des Gehirns ab.  Mehr als zwei Drittel aller Überlebenden sind danach auf Fremdhilfe angewiesen; der Schlaganfall ist deshalb im Ergebnis bundesweit die häufigste Erkrankung, die zu einer lang anhaltenden Pflegebedürftigkeit führt.“

Gefragt ist deshalb nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Qualität und Expertise in der Behandlung. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund wurde die Stroke Unit in Calw mit ihren vier modern ausgestatteten Betten vor kurzem offiziell als lokale Stroke Unit zertifiziert. Seit knapp 15 Jahren ist die Zertifizierung von Stroke Units in Deutschland ein allgemein anerkanntes Verfahren zur Qualitätssicherung. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe haben dafür über die Jahre einen strengen Kriterienkatalog entwickelt, der laufend überprüft und aktualisiert wird. So müssen zertifizierte Schlaganfallstationen eine Vielzahl von Vorgaben in Bezug auf medizinische Ausstattung und fachliche Qualifikation des Personals vorweisen. Mindestmengen in der Behandlung stellen u. a. den Erfahrungsschatz des Teams sicher, hinzu kommt die verpflichtende Präsenz neurologischer Fachärzte sowie die dauerhafte Einsatzbereitschaft der Stroke Unit an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr mit medizinischem Equipment für alle notwendigen Untersuchungen wie EKG, Blutuntersuchung im Labor, Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT). Regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen aller Mitarbeiter gehören ebenfalls dazu sowie ein funktionierendes, fachübergreifendes Netzwerk aus Neurologen, Kardiologen, Gefäßchirurgen, Radiologen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Mitarbeitern des Rettungs- und Sozialdienstes. „Teamarbeit ist auf einer Stroke Unit ohnehin essentiell für den Behandlungserfolg“, macht Oberarzt Dr. Michael Gasser deutlich, der zusammen mit seinem Oberarztkollegen Kahle die aufwändige Zertifizierung parallel zum alltäglichen Arbeitspensum federführend vorangetrieben hatte. „Nur wenn Pflegekräfte, Therapeuten, Ärzte sowie alle internen und externen Partner Hand in Hand arbeiten, hat der Patient die tatsächlich besten Heilungschancen.“

„Die eigentliche Rettungskette sollte aber schon weit vor dem Notarzteinsatz anfangen“, ergänzt der Neurologe Klaus Kahle. „Da wäre zum einen natürlich ein gesunder, aktiver Lebensstil sowie beeinflussbare Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder auch Bluthochdruck, zum anderen im Falle eines Verdachtes auf einen Schlaganfall vor allem die schnelle Reaktion von Angehörigen.“ Oftmals geht hier viel wertvolle Zeit verloren, bis die Anzeichen richtig gedeutet werden. Um zu verhindern, dass bei einem Verschluss einer Gehirnarterie, welcher pro Minute bis zu zwei Millionen Nervenzellen unwiederbringlich zerstören kann, wertvolle Zeit verloren geht, können sich Laien am sogenannten FAST-Test orientieren. FAST (engl. für schnell) steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit):

  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln - Ist das Gesicht einseitig verzogen deutet dies auf eine halbseitige Lähmung hin.
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, sinken ab oder drehen sich.
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, sind diese Sprachstörungen ebenfalls ein deutliches Warnsignal für einen möglichen Schlaganfall.
  • Time: Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern die Symptome.