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02.08.2017

Netzwerk gegen Krebs

Deutsche Krebsgesellschaft zeichnet das Klinikum Sindelfingen-Böblingen als eines von bundesweit rund 100 zertifizierten, hochspezialisierten onkologischen Krebszentren aus.

Die Urkunde ist gerade einmal wenige Tage alt, der lange Weg dahin mehr als eine Dekade: Der Klinikverbund Südwest verfügt seit Ende Juli offiziell über sein verbundweit erstes, vom TÜV, OnkoZert und der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Onkologisches Zentrum. Das Klinikum Sindelfingen-Böblingen ist damit bundesweit eine von derzeit 106 Kliniken, die  das begehrte Prüfsiegel, welches Tumorpatienten modernste interdisziplinäre Diagnostik, Therapie, Pflege und Beratung garantiert, führen darf.

Die wachsende Bedeutung solcher fach- und standortübergreifender onkologischer Zentren  wird schnell klar, wenn man sich die Zahlen vor Augen führt: Forscher zählen mittlerweile über 250 Krebsarten und weitere zahlreiche Subtypen. Man geht davon aus, dass Krebserkrankungen in Deutschland bis ins Jahr 2030 um rund 30 Prozent ansteigen werden. Bereits heute verzeichnet man bundesweit  bis zu 500.000 Neuerkrankungen und 230.000 Tote – quer durch alle sozialen Schichten und Altersgruppen. Die Volkskrankheit Krebs stellt die Gesellschaft und die Medizin somit vor große Herausforderungen. Die Antwort darauf heißt Spezialisierung sowie Bündelung von Expertenwissen und Fachkräftenetzwerke. Die Zertifizierung des interdisziplinären Brustzentrums in Böblingen bildete 2004 hierfür sozusagen den Startschuss  in den Verbundskliniken, dann folgten über die Jahre das Darmkrebszentrum  in Böblingen, das Prostatakrebszentrum in Sindelfingen sowie ebenfalls in Böblingen das Pankreaskarzinomzentrum – diese zertifizierten Organkrebszentren bilden gemeinsam  die Basis für das jetzt erfolgreich zertifizierte Onkologische Zentrum Sindelfingen-Böblingen, in  dem mittlerweile jährlich rund 950 Patienten mit bösartigen Neuerkrankungen behandelt  werden.

„Wie in einem Mosaik werden die bisherigen Organkrebszentren am Klinikum Sindelfingen- Böblingen im Onkologischen Zentrum sozusagen passgenau zu einem Gesamtbild zusammengefügt“, erklärt Zentrumsleiter Privatdozent Dr. Markus Ritter, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie, das Konzept. „Ausgenommen Kinder-, Haut und Neuroonkologie, wird   das   komplette   Spektrum   an  tumorbehandelnden  Disziplinen  hier   vorgehalten,  was letztendlich kurze Wege für die meisten Patienten bedeutet, sei es für die Operation, Bestrahlung oder medikamentöse Therapie.“

Alle Aspekte im Erkrankungsverlauf von der Früherkennung über Diagnostik, Therapie bis zur Nachsorge werden durch das überspannende Zentrum abgedeckt. Für die Patienten mit einer bösartigen Tumorerkrankung bedeutet das eine lückenlose therapeutische Behandlung durch die entsprechenden Spezialisten vor Ort auf Basis einheitlicher Qualitätsmaßstäbe in enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten und Hand in Hand mit Radiologen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Schmerztherapeuten, Psychoonkologen sowie Physiotherapeuten, Fachkräften für Genetik, Seelsorgern und den Selbsthilfegruppen. Darüber hinaus werden durch klinische Studien, die Dokumentation der Krankheitsverläufe und die enge Kooperation mit dem bundesweiten Krebsregister der Wissenstransfer sowie die Aus- und Weiterbildung des ärztlichen und pflegerischen Personals vorangetrieben. Alle Onkologischen Zentren sind zudem maßgeblich an der Umsetzung des 2008 vom Bundesgesundheitsministerium ins Leben gerufenen nationalen Krebsplans beteiligt, in dem neben der Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung sowie der Versorgungsstrukturen auch die  Stärkung  der Patientenorientierung und Patienteninformation eine tragende Rolle spielen.

Die kontinuierliche Verbesserungen der Früherkennung, aber auch völlig neuartige therapeutische Verfahren der Chirurgie, Chemotherapie oder auch  Strahlentherapie  haben nicht zuletzt durch die zertifizierten Organzentren die Bekämpfung von Krebserkrankungen in den letzten Jahren revolutioniert und die Lebenserwartung sowie die Lebensqualität von Betroffenen deutlich erhöht. Neu ist beispielsweise der Trend weg von globalen  Chemotherapien hin zum zielgerichteten Medikamenteneinsatz sowie individualisierten Immuntherapien. „Die Verfügbarkeit neuer Therapien für möglichst viele Patienten wird durch  die Netzwerkstruktur in hochspezialisierten Onkologischen Zentren verbessert. Hier richtet sich die Behandlung am Patienten und dessen Erkrankung aus“, erläutert Dr. Ritter die Maxime aller Beteiligten. „Jeder Einzelfall wird dem interdisziplinären Expertengremium am sogenannten Tumorboard vorgestellt. In den gemeinsamen Konferenzen wird dann ein maßgeschneidertes Therapiekonzept erarbeitet und umgesetzt.“ Individuelle Behandlungskonzepte erfordern aber umso mehr Fachwissen. Gerade der fachübergreifende, regelmäßige Wissensaustausch bildet die Basis aller medizinischen Fortschritte - das gilt insbesondere für die Verbesserung der Behandlungsqualität, die in zertifizierten Zentren regelmäßig überprüft wird. „Die Zertifizierungsurkunde ist somit für uns Ansporn aber auch Verpflichtung zugleich; sozusagen das dauerhafte Versprechen an Tumorpatienten, nach neuesten Leitlinien und Erkenntnissen behandelt zu werden und somit die Heilungschancen möglichst zu optimieren.“

Sowohl die einzelnen Organkrebszentren wie auch das Onkologische Zentrum müssen jährlich nachweisen, dass sie die fachlichen Anforderungen für die Behandlung einer Tumorerkrankung erfüllen und über ein etabliertes Qualitätsmanagementsystem verfügen. Die Ergebnisqualität  der Zentren wird jährlich in Qualitätsberichten erfasst und veröffentlicht. „Wir scheuen diesen nationalen Vergleich nicht, ganz im Gegenteil“, ist sich Dr. Ritter sicher. „Die Mitarbeiter im hämatologisch-onkologischen Team, die Kollegen der Organkrebszentren, Prof. Dr. Stefan Rolf Benz als stellvertretender Zentrumsleiter oder auch Frau Birgit Goedecke als Zentrumskoordinatorin – um nur einige stellvertretend zu nennen – sie alle haben diese aufwendige und langwierige Zertifizierung mit viel Herzblut parallel zur ohnehin nicht geringen Arbeitsbelastung im Klinikalltag vorangetrieben und ich bin mir sicher, dass wir alle mit dem gleichen Engagement weiter machen. Wir waren schon vor der Zertifizierung gut, aber es jetzt sozusagen schwarz auf weiß vorliegen zu haben, ist eine schöne Bestätigung für die tagtäglich gemeinsam geleistete Arbeit.“

Ziel ist es, die gesicherten Erkenntnisse und Neuerungen aus der  Forschung  und  Wissenschaft effektiv und möglichst zeitnah auch zum Patienten zu bringen. „Dabei ist  der  Weg vom Forschungslabor ans Krankenbett manchmal sehr weit, wenn nicht alle Akteure an einem Strang ziehen“, weiß Dr. Ritter. „Nur wenn wir in größeren, fach- und standortübergreifenden  Einheiten  denken  und handeln, werden  dem Patienten auch  wirklich alle aktuell verfügbaren Diagnose- und Therapieoptionen zur Verfügung stehen.“ So ist gerade die Behandlungs- und Betreuungsqualität auch dann noch der Schlüssel zu mehr  Lebensqualität der Patienten, wenn die Krebserkrankung nicht mehr heilbar ist. Hier macht sich ein weiteres Mal die enge verbundweite Zusammenarbeit über Klinikgrenzen hinweg  bezahlt: So bildet die Palliativstation am Herrenberger Krankenhaus einen gewichtigen Eckpfeiler im Netzwerk der Kooperationspartner des Onkologischen Zentrums Sindelfingen-Böblingen zusammen mit den regionalen Palliativteams, Hospizgruppen und –einrichtungen. „Der Krebs macht weder vor Stadt- noch Landkreisgrenzen halt“, so Dr. Ritter. „Wir als Mediziner sollten  das im Sinne unserer Patientinnen und Patienten somit auch nicht.“

Interdisziplinärer Krebstag am Klinikum Sindelfingen-Böblingen, 21. Oktober 2017
Einblicke in die Arbeit des neuen Onkologischen Zentrums sowie der Organkrebszentren und aller Kooperationspartner erhält die Öffentlichkeit am 21. Oktober 2017. Neben einem kleinen Festakt mit offizieller Überreichung der Zertifizierungsurkunde stehen am diesem Tag an den Kliniken Sindelfingen alle Experten den Patienten und Besuchern sowohl in Vorträgen, an Infoständen aber vor allem im persönlichen Gespräch zur Verfügung.