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Aus dem Krankenhaus Herrenberg 

15.08.2017

Generalprobe für den Notfall

Im Ernstfall rettet gutes Teamwork Menschenleben.

Im Krankenhaus Herrenberg bereiten Ärzte, Hebammen und Pfleger sich am Patientensimulator gemeinsam auf Komplikationen bei der Geburt vor. Dabei üben sie, in stressigen Ausnahmesituationen möglichst effektiv zusammenzuarbeiten.

Frau Meier klagt über Übelkeit und Kopfschmerzen. Sie ist 35 Jahre alt und in der 34. Schwangerschaftswoche. „Ihr Blutdruck ist ein bisschen hoch“, stellt die diensthabende Hebamme im Krankenhaus Herrenberg fest. Ganz ruhig sagt sie das, schaut aber ihre Kollegin dabei vielsagend an. Dann ruft sie Gynäkologin Dr. Daniela Gilch hinzu. Wenige Minuten später verliert die Patientin das Bewusstsein und krampft. „Anästhesie und leitende Oberärztin Dr. Heimann rufen!“ fordert Dr. Gilch. Der Behandlungsraum füllt sich. „Ich habe Informationen!“ ruft die Gynäkologin und fasst stichwortartig die Situation zusammen. Dann passiert vieles gleichzeitig und alles in straffem Tempo: Am Kopfende des Bettes sorgt die Anästhesistin für Sauerstoffzufuhr. Oberärztin Dr. Sabine Heimann und Dr. Gilch versuchen, durch mehrfache Gabe von Magnesium und Diazepam den Krampfanfall zu stoppen. Hebamme und Pflegerin assistieren. Eklampsie, ein Krampfanfall in der Spätschwangerschaft, tritt äußerst selten auf. Kein Routine-Einsatz für das Team also. Doch gerade jetzt steht viel auf dem Spiel: Für Mutter und Kind ist der Anfall lebensbedrohlich.

In Notfallszenarien wie diesem zählt nicht nur medizinisches Fachwissen. Es gilt für die Beteiligten auch, sich schnell in eine unübersichtliche Situation einzufinden und trotz Stress und Zeitdruck umsichtige Entscheidungen zu treffen. Wie das gelingt? „Entscheidend ist, dass die Kommunikation an den Schnittstellen im Team funktioniert“, sagt Dr. Christina Jaki vom Stuttgarter Pädiatrie- und Patienten-Simulator, kurz STUPS, und ergänzt: „Als gutes Team wird man nicht geboren. Aber Teamwork kann man üben.“ Frau Meier ist die ideale Übungskandidatin. Denn Frau Meier ist eine Puppe, ein lebensgroßer Hightech-Dummy mit Schwangerschaftsbauch. Sie atmet, verliert Kunstblut, krampft oder bringt ein Kind zur Welt. Alles auf Knopfdruck und dank modernster Technik. Eine Echtzeitsimulation, inklusive Monitor, der die Vitalwerte überwacht. Ab und zu ist sogar schmerzliches Stöhnen zu vernehmen – aus einem Mikrofon, das mit dem Nebenraum verbunden ist. Von dort führt STUPS-Ausbilderin Dr. Jaki Regie über das Notfallszenario. Per Computer steuert sie den Patientensimulator. Dieser hat außerdem noch ein „Double“ aus Fleisch und Blut: Eine zweite STUPS-Trainerin, die für den Dummy spricht. Alles soll so realitätsnah wie möglich sein.

Selbst das Arbeitsumfeld: „Der echte Kreissaal muss zwar für Geburten frei bleiben, aber wir haben extra ein Patientenzimmer umgestaltet“, erzählt Oberärztin Dr. Sabine Heimann. Die realitätsgetreue Inszenierung erzeugt Wirkung: „Obwohl da nur eine Puppe liegt – der Stresslevel ist hoch“, gesteht Dr. Gilch. „Aber dafür verliert der echte Notfall den Schrecken, weil ich weiß: Ich kenne das Szenario, habe es schon mal geübt.“ Der Klinikverbund Südwest, zu dem auch das Herrenberger Krankenhaus gehört, baut seit vielen Jahren auf solche Notfall-Simulationen, eine Fortbildungsmethode, die ursprünglich aus der Luftfahrt kommt. Auf der Herrenberger Geburtshilfestation wird bereits zum dritten Mal am Patientensimulator trainiert. Während in den ersten beiden Kursen der Schwerpunkt auf dem Neugeborenen lag, stehen diesmal Komplikationen rund um die Geburt im Vordergrund – so wie bei „Frau Meier“.

Zurück im „Kreissaal“: Während das Team unter Hochdruck daran arbeitet, den computergesteuerten Krampfanfall zu stoppen, zeichnen Kameras das Geschehen auf. Zwei Zimmer weiter schauen die übrigen Schulungsteilnehmer per Live-Übertragung zu. Schließlich endet das Szenario. Der Dummy überlebt, das Team hat gute Arbeit geleistet. Es folgt eine videounterstützte Nachbesprechung. Nicht nur medizinisch-fachliche Gesichtspunkte werden analysiert, sondern auch die Zusammenarbeit im Team. Positiv bewertet wird unter anderem, dass die Hebamme den Ernst der Lage schnell erkannte, Unterstützung anforderte und gleichzeitig ruhig gegenüber der Patientin blieb. Vorbildlich auch, wie klar Dr. Gilch ihre Rolle als Informationsträgerin kommunizierte und den neu hinzugekommenen Teammitgliedern ein Bild der Lage vermittelte. Ausbilderin Dr. Jaki schlägt aber auch Verbesserungen vor. Ihr Coaching stützt sich auf das sogenannte Crisis Ressource Management (CRM): Die CRM-Methode hilft Teams, auch unter den von Natur aus unübersichtlichen Bedingungen eines Notfalls gemeinsam effektiv zu handeln. Die Herrenberger Schulungsteilnehmer erhalten einen Spickzettel mit 15 Leitsätzen: „Kommuniziere sicher und effektiv“ oder „Beachte alle vorhandenen Informationen“ steht unter anderem darauf. „Aus meiner Sicht die hilfreichste CRM-Maßnahme: Sich bewusst zehn Sekunden Auszeit nehmen, die Situation analysieren und dann erst handeln“, sagt Oberärztin Dr. Heimann. Und auch aus der Sicht von Dr. Ines Vogel profitiert die Patientensicherheit von den Schulungen sehr: „Hebammen, Gynäkologen und Anästhesisten arbeiten im Notfall interdisziplinär zusammen. Durch die gemeinsame Videoanalyse lernen wir, die Arbeit des anderen besser zu verstehen. Das stärkt die Zusammenarbeit, verbessert die Kommunikation und hilft, Fehler zu minimieren. Wir hinterfragen in der Analyse aber auch, ob es bei bestimmten Abläufen zusätzlichen Regelungsbedarf gibt und optimieren dann Arbeitsabläufe“, erläutert die Chefärztin der Herrenberger Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, in der mittlerweile fast 1.400 Kinder im Jahr auf die Welt kommen. Insgesamt drei unterschiedliche Szenarien werden daher an diesem Nachmittag durchgespielt, jedes Mal wechseln die Teams. Keiner weiß vorher, welcher Notfall eintreten wird. Es muss auch ohne Vorwarnung funktionieren. Genau wie im echten Leben.

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