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Aus dem Kreisklinikum Calw-Nagold 

04.03.2014

Maßgeschneiderter Gelenkersatz

Ein Anzug von der Stange passt nun einmal nicht jedem. Gut, dass es für spezielle Fälle den Schneider gibt, der genau Maß nimmt. Gleiches gilt mittlerweile aber auch für künstliche Gelenke

Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw bietet deshalb individuell angepasste Knieprothesen an, die seit wenigen Monaten zusätzlich passgenau mittels computernavigierter Implantationstechnik eingesetzt werden – eine Kombination, die weltweit bisher nur wenige Kliniken anbieten.

Allein in Deutschland werden jedes Jahr über 100.000 Kniegelenke eingesetzt. Die hohe Zahl verwundert nicht, wer will sich schon damit abfinden, unbeweglich und mit ständigen Schmerzen zu leben. Ob Gelenkverschleiß, Verletzungen oder Fehlstellungen – irgendwann schmerzt das Gelenk nicht nur bei Belastung, sondern auch im Ruhezustand. Der eigene Aktionsradius wird immer kleiner. Besonders wenn Hüfte oder Knie betroffen sind, läuft man Gefahr, immer tiefer in die Spirale der Unbeweglichkeit zu geraten und immer mehr an Lebensqualität zu verlieren. Die Gelenkersatz-Operation ist ein probates Mittel, um Beweglichkeit und Lebensfreude zurückzugewinnen. Eine Operation bleibt aber ein massiver Eingriff und jeder Patient, jede Kranken- und Leidensgeschichte und vor allem jedes Kniegelenk ist anders und einzigartig. Umso wichtiger, dass die Therapie individuell auf den Patienten und sein Krankheitsbild abgestimmt ist.

Wenn ein künstliches Gelenk schließlich unumgänglich ist, trachtet die ärztliche Kunst heute danach, möglichst viel von den vorhandenen Knochen „zu retten“ – damit gegebenenfalls notwendige spätere Austauschoperationen immer noch möglich sind. „Grundsätzlich zählt jeder Millimeter Knochen, der erhalten werden kann, für die Zukunft“, erklärt Privatdozent Dr. Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw. „Ein neues Verfahren aus den USA, die sogenannte individuelle Knieeendoprothese oder Teilprothese bietet unserem Team seit drei Jahren die Möglichkeit, bei bestimmten Krankheits- und Verletzungsmustern quasi maßgeschneiderten Gelenkersatz zu implantieren. Dabei kann die individuelle Anatomie und Asymmetrie jedes einzelnen Gelenks optimal berücksichtigt werden.“ Wurde bei einer herkömmlichen Knieprothese bisher das gesamte Kniegelenk durch eine Metallprothese ersetzt, wobei in großem Umfang eigener Knochen abgetragen werden muss, werden bei der neuen Methode die Implantate passend zu den Konturen der Gelenkoberfläche individuell für jeden einzelnen Patienten maßgefertigt. Die optimale Passform ermöglicht dem Operateur weniger Knochensubstanz zu entfernen und somit den Erhalt körpereigener Strukturen. Ein besonderer Vorteil dieser Individualanfertigungen ist auch die Möglichkeit, nur Teile des Kniegelenkes zu ersetzen, wenn beispielsweise nicht das ganze Knie von einer Arthrose betroffen ist. Dies entspricht dann eher einer Beschichtung von Teilen der Gelenkoberfläche, bei der sämtliche Bänder im Kniegelenk erhalten werden können, als einem künstlichen Gelenk und ist daher besonders schonend.

Mittels Computertomographie wird zunächst ein dreidimensionales Modell des Knies erstellt, anhand dessen das jeweilige Implantat geplant wird. Dieses wird dann maschinell gefertigt, ebenso wie alle für die OP wichtigen Instrumentarien, wie Bohr- und Sägeschablonen. Einziger kleiner Nachteil: Dauerte es beim konventionellen Gelenkersatz bisher rund 2-3 Wochen von der Vorstellung in der Klinik bis zum OP-Termin, sind es bei der Individualprothese ca. 6-8 Wochen, bis die maßgefertigte Edelstahlprothese eingesetzt werden kann. „Gemessen an der Leidenszeit und dem Leidensdruck, den die Patienten bis zur OP-Entscheidung meist hinter sich haben sicher verschmerzbar“, so Dr. Handel. „Geringerer Blutverlust bei der OP, weniger Nachblutungsrisiko, der Erhalt der eigenen Biomechanik im Knie und eine weitestgehende Rekonstruktion der körpereigenen Anatomie stehen dem mehr an Wartezeit dafür entgegen.“ Zumal bei medizinischer Indikation die Kassen mittlerweile auch die Kosten für die neue Methode übernehmen.

Damit die maßgeschneiderte Prothese auch wirklich millimeter- und gradgenau exakt so sitzt, wie geplant, greift sein Team in Calw seit Ende letzten Jahres jetzt zusätzlich auf die modernste Generation der Computernavigation zurück. Hierbei wird dann nicht nur - wie bis vor wenigen Jahren noch üblich - die Achse, sondern auch die Bandspannung im Kniegelenk während sämtlicher Gelenkstellungen berücksichtigt.  Calw ist damit eine der ersten Kliniken weltweit, die derzeit maßgefertigte Kniegelenksendoprothetik mit der computergestützten Navigation verbindet. Die Navigationssoftware unterstützt dabei die Chirurgen mittels einer dreidimensionalen Kamera im OP bei der exakten Positionierung des Implantats. Mit rund 70-80 Minuten OP-Zeit ist die Kombination damit nur unwesentlich länger als das herkömmliche Verfahren.

Am ersten Tag nach der OP kann der Patient dann meist aufstehen, am zweiten kleine Schritte machen und sich ab dem dritten mit Gehstützen fortbewegen. Kurz vor der Entlassung stehen dann erste Treppenversuche an und nach etwa sieben Tagen Klinikaufenhalt geht es zur Anschlussbehandlung in eine zwei- bis dreiwöchige Reha. Gleich ob konventioneller oder individueller Knieersatz, nach rund einem Jahr steht bei den meisten Patienten auch in punkto sportlichen Aktivitäten nichts mehr im Wege. „Gerade hier im Schwarzwald haben wir mittlerweile einige Patienten, die auch wieder problemlos auf Alpinskiern unterwegs sind“, freut sich Dr. Handel. „Für olympisches Gold in Sochi hätte es zwar sicher nicht mehr ganz gereicht, aber was eigentlich zählt ist die Rückkehr der Lebensqualität.“

Link zum Thema: Unfallchirurige und Orthopädie in den Kliniken Calw

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