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Neue Technologien im Darmkrebszentrum Nagold 

Die Reise in das Innere des Verdauungstraktes: Die Kamera in der Pille

Wer im Unterleib Schmerzen hatte, konnte bisher zwar zu einem hohen Prozentsatz durch Magen- und Dickdarmspiegelung (endoskopisch) sehr gut untersucht werden. Mit dem Endoskop können mittlerweile sogar auch sehr große Polypen im Darm entfernt werden. Der bis zu drei Meter lange Dünndarm stellte aber bisher eine gewisse Grauzone dar, weil dieser mitten im Körper und mit vielen Schlingen nur sehr schwer zugänglich war. Vermutete man z.B. bei einem Patienten eine Blutung im mittleren Dünndarm,  so war diese oft trotz aufwändigster Diagnostik mit Spezialgeräten wie MRT, Computertomografie, Angiografie oder nuklearmedizinischen Techniken nicht auffindbar. Am Ende blieb hier nichts anderes übrig als eine Operation. Bauchraum und Dünndarm mussten geöffnet werden, damit der Arzt im Dünndarm eine Spiegelung vornehmen konnte.

Narrow Band Imaging

Das sog. Narrow Band Imaging (NBI) ist ebenfalls eine ganz neue Technologie, die aktuell im Nagolder Bauchzentrum eingeführt wurde. In Videoendoskopen wird weißes Licht einer Xenon Lampe zur Beleuchtung verwendet. Das reflektierte Licht wird von einem speziellen Chip an der Spitze des Instrumentes zur Bildrekonstruktion aufgenommen. Das vom Gewebe reflektierte Spektrum unterscheidet sich vom Emissionsspektrum der Lichtquelle. Während der Beobachtung wird das Spektrum des reflektierten Lichts von der Gewebestruktur und vom Blutfluss beeinflusst. Das bedeutet, dass gesunde Zellen Licht in einer anderen Farbe reflektieren als kranke.

Zusammenfassend ist es mit dieser Technologie möglich, kleinste bösartige Veränderungen oder Krebsvorstufen sichtbar zu machen, die sonst übersehen würden. So ist es möglich, z.B. Frühkarzinome mit einem kleinen endoskopischen Eingriff zu entfernen, so dass die Chancen einer Heilung exzellent (über 90%) sind.  

Der Ärztliche Direktor der Nagolder Kliniken, Prof. Dr. Hubert Mörk, ist sicher, dass auch diese drei Innovationen für Nagold erneut einen medizinischen Quantensprung darstellen.

Die phantastische Reise

Wer sich noch an den Science-Fiction-Film „Die phantastische Reise“ aus den 60er Jahren erinnert, wo Ärzte, geschrumpft auf Stecknadelkopfgröße, sich in einem Mini-U-Boot durch den Blutkreislauf eines Menschen bewegten, um ihn im Gehirn operieren zu können, der kann sich die neue Methode, die Prof. Dr. Hubert Mörk ab April in den Kliniken Nagold einführt, gut vorstellen. Allerdings wird Mörk nicht geschrumpft, sondern schickt eine Pille als „U-Boot“ auf die Reise. Die normal-große Pille heißt Kapselendoskop und beinhaltet „Scheinwerfer“, Kamera und Übertragungseinheit.  Das Kapselendoskop zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Bildqualität aus, beinhaltet sechs miniaturisierte Leuchten, die sich an die Sichtverhältnisse im Untersuchungsbereich automatisch anpassen und dem Arzt auch in schwierigen anatomischen Verhältnissen detaillierte Einblicke in das Innerste des Verdauungssystems seines Patienten bieten. Die Mini-Kamera mit Video-Chip liefert über einen Zeitraum von acht Stunden mit zwei Aufnahmen pro Sekunde Bilder der Magen-Darm-Passage in hervorragender Qualität.

In einem externen Empfänger, der mit einer kleinen Umhängetasche vom Patienten am Gürtel getragen wird, werden die Bilder aufgezeichnet. Über aufgeklebte Elektroden am Bauch werden die jeweiligen Aufnahmepositionen der Kapsel lokalisiert. Der Film wird danach ausgewertet. Die Kapsel ist ein Einmalartikel und wird auf natürlichem Weg ausgeschieden.

Zur Auswertung der ca. 60.000 gelieferten Bilder steht dem Arzt eine Software zur Verfügung, die ihn zum Beispiel auf blutende Wunden oder Gewebeveränderungen hinweist. Der Nutznießer ist der Patient, der nur noch eine Pille schlucken muss.

Dies ist modernste Dünndarmdiagnostik, die wohl in weitem Umkreis derzeit nur Nagold zu bieten hat.

Die Ballonenteroskopie

Falls mit der Kapselendoskopie ein krankhafter Befund im Dünndarm gefunden wird, kann nun im Nagolder Bauchzentrum eine  Ballonenteroskopie durchgeführt werden, zum Beispiel zur Entnahme von Gewebeproben, zur Polypenentfernung oder zur Verödung von Blutungen. Somit kann in vielen Fällen eine OP vermieden werden.

Die Ballonenteroskopie wie auch die Kapselendoskopie gibt es in Deutschland nur in ganz wenigen spezialisierten Kliniken.

Die Ballonenteroskopie funktioniert folgendermaßen: Über eine spezielle Technik (Abbildung sinnvoll) schiebt der Arzt ein ultralanges Endoskop und einen Übertubus, der mit einem Ballon fixiert werden kann, durch den Dünndarm. Geht das Endoskop wegen der Darmschlingen nicht weiter, wird der Ballon aufgeblasen und das Darmstück hinter dem Ballon quasi aufgefädelt oder zusammengezogen, so dass der Teil vor dem Ballon wieder gerade liegt und das Endoskop weiter geschoben werden kann. Stück für Stück arbeitet sich der Arzt so vor. Über dünne, ultralange Instrumente, die durch das Endoskop geschoben werden, kann dann im Dünndarm behandelt werden.