Die Notaufnahme - Die Hektik ist nur Show

In amerikanischen Klinikserien wird der verunfallte Patient häufig von Klinikmitarbeitern in wehenden Mänteln in wahnwitzigem Tempo durch ewiglange Korridore geschoben, bis er im OP landet. Dagegen geht es in deutschen Schockräumen strukturiert und ruhig zu, denn in Deutschland kennzeichnet klug durchstrukturiertes Handeln die Erstversorgung: Wenn der Notarzt am Unfallort eintrifft, versorgt er nicht nur fachgerecht den Patienten, er macht sich auch bereits ein genaueres Bild, womit man es zu tun hat. Herzinfarkt? Unfall? Verletzungen des Gehirns? Entsprechend dieser ersten Diagnose wird der Patient dann in das Krankenhaus verlegt, das seine Verletzungen angemessen behandeln kann, und die Kollegen, in deren Fachgebiet der Befund fällt, informiert. Handelt es sich um schwere innere Verletzungen und Brüche, informiert der Notarzt den Unfallchirurgen. Handelt es sich um einen Herzinfarkt, wird der diensthabende Kardiologe mit seinem Team gerufen. Und noch während der Notarzt mit seinem Patienten auf dem Weg ins Krankenhaus ist, bereitet das jeweilige Team aufgrund der bereits vorhandenen Informationen den Schockraum vor. Trifft der Patient
dann ein, informiert der Notarzt seine ärztlichen Kollegen über alle weiteren Details, die er inzwischen festgestellt hat. Der Patient wird nun nach klar definierten Protokollen versorgt. Dabei herrscht Ruhe, alle arbeiten Hand in Hand. Denn Schockraum bedeutet Teamarbeit. Und das wird auch regelmäßig trainiert. Eine gewisse Routine ist von Vorteil, noch besser ist es allerdings, die Abläufe immer wieder erneut zu verinnerlichen und die Kommunikation mit den Teammitgliedern zu trainieren. All das dient auch der Erfahrung, weil damit in Stresssituationen auf vertrautes Handeln zurückgegriffen werden kann.