Aus dem Klinikverbund Südwest

Schutzschirm für Schmerzpatienten

09.06.2020

Unter diesem Motto beteiligte sich auch Dr. Thomas Klein, Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Leonberg am bundesweiten 9. Aktionstag gegen Schmerz. Per Telefon-Hotline beantwortete der Leiter der Schmerzambulanz die vielen Fragen von Betroffenen. Das Resümee: Gerade in Zeiten einer Pandemie ist es wichtig, das Thema Schmerz, das so viele Menschen in Deutschland betrifft, auf die Agenda zu setzen und Patientinnen und Patienten zu informieren und zu beraten.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. und ihre Partnerorganisationen weisen auf die lückenhafte Versorgung von vielen Millionen Menschen hin, die an chronischen Schmerzen leiden. Die besonderen Umstände der Corona-Krise haben die Versorgung zusätzlich verschlechtert. „Vor diesem Hintergrund sind Angebote, wie der jährliche Aktionstag gegen den Schmerz, der dieses Jahr unter gebotenen und notwendigen Schutzvorkehrungen in etwas anderem Rahmen stattfand, umso wichtiger“, betont Dr. Thomas Klein. In der Leonberger Schmerzambulanz der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin werden täglich Patienten mit chronischen, den Lebensalltag beherrschenden, Schmerzen behandelt. Die Zeiten, in denen Schmerzen ausschließlich mit Pillen behandelt wurden, sind jedoch lange vorbei. „Wirksam ist vielmehr ein Therapiekonzept, das zusammen mit dem Patienten alle Möglichkeiten der Behandlung auslotet“, so der Oberarzt. Denn: Akute Schmerzen machen durchaus Sinn, als z.B. im Falle eines Herzinfarkts lebensrettende Warnsignale. Doch postoperative Schmerzen verursachen lediglich Stress und können zu weiterführenden gesundheitlichen Problemen führen.

Ziel des jährlichen Aktionstages gegen den Schmerz ist deshalb, mit Patienten und ihren Angehörigen ins Gespräch zu kommen und sie zu beraten. Die diesjährige bundesweite Telefonhotline wurde dabei rege genutzt. „Die Probleme reichen dabei von Schmerzen in Brust- oder Bauchbereich, die die Patienten versuchen durch Schonatmung zu umgehen und sich dadurch einem höheren Risiko für Lungenentzündungen aussetzen, bis zu Schmerzen beim Gehen, die eine Einschränkung der Bewegung und dadurch starken Muskelabbau sowie ein gesteigertes Thrombose-Risiko mit sich bringen. Die Behandlung dieser Schmerzen ist ein Patientenrecht – doch viele wissen gar nicht, welche Therapie-Optionen für sie infrage kommen und wo es Hilfe gibt“, berichtet Dr. Klein.

In der Schmerzambulanz des Leonberger Krankenhauses wurden in den vergangenen Jahren Standards für die Schmerzbehandlung entwickelt, die mittlerweile fachübergreifend zum Krankenhausalltag gehören. Ärzte und Pflegekräfte, Physiotherapeuten und die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes ziehen an einem Strang. In den Zimmern liegen Merkblätter aus, die Patienten zum Thema Schmerzen informieren. Schon während der Operation wird mit der Schmerztherapie begonnen. Der Anästhesist verhindert durch Verabreichung langwirksamer Medikamente, dass der Patient auf einem hohen Schmerzniveau aus der Narkose erwacht. Auf Station wird, zusammen mit der Fieber- und Blutdruckmessung mehrmals am Tag der Schmerzparameter abgefragt und protokolliert. Der Patient selbst gibt mittels eines sogenannten Schmerzschiebers auf einer Skala von eins bis zehn den Schmerzfaktor an. Der Grund für diese umfangreiche Abfrage liegt für Dr. Klein auf der Hand: „Wir können Schmerzen nur dann behandeln, wenn wir davon wissen. Zumal die Schmerzschwelle zwar immer die gleiche, die Schmerztoleranz aber von Patient zu Patient ganz verschieden ist.“

Etwa 23 Millionen Deutsche (28 Prozent) berichten über chronische Schmerzen. Bei fast allen sind diese nicht durch Tumorerkrankungen hervorgerufen. Bei sechs Millionen von ihnen sind die chronischen Schmerzen so deutlich ausgeprägt, dass sie sich im Alltag und im Berufsleben beeinträchtigt fühlen. Die Zahl derer, die unter chronischen Schmerzen und unter damit assoziierten psychischen Beeinträchtigungen leiden, liegt in Deutschland bei 2,2 Millionen. Der Aktionstag gegen den Schmerz dient auch dazu, Einblicke in die verschiedenen Therapieansätze zu geben.

Kontakt:
Dr. Thomas Klein ist Leiter der Schmerzambulanz der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Leonberg. Sekretariat/Terminvereinbarung: Tel. 07152 202-66501
Die Leonberger Schmerzambulanz wird unterstützt von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., der mit über 3.500 Mitgliedern größten wissenschaftlichen Schmerzgesellschaft Europas.
Weitere Informationen unter www.klinikverbund-suedwest.de