Aus dem Klinikverbund Südwest

Zahl der stationären COVID-19 Patienten steigt stark an

22.10.2020

Kliniken wappnen sich für die 2. Welle – Quarantäneausfälle bei Klinikbediensteten nehmen zu – erste Besuchseinschränkungen und Veranstaltungsabsagen

Im Klinikverbund Südwest werden Stand heute 28 stationäre COVID-19-Patienten behandelt, davon 4 intensivmedizinisch, hinzu kommen 14 Verdachtsfälle. Auf die 4 Kliniken im Landkreis Böblingen entfallen davon 21 Patienten auf normalen Isolationsstationen, 3 Patienten auf Intensivstationen sowie 10 Verdachtsfälle. „Die stationären Zahlen sind besorgniserregend und im Prinzip jetzt auf dem Stand von Mitte März dieses Jahres angekommen – im Vergleich zu Anfang Oktober haben sich die Patientenzahlen verfünffacht“, mahnt Landrat Roland Bernhard, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbundes Südwest und der Kreiskliniken Böblingen. „Anders als im Frühjahr, als man das komplette elektive OP-Programm baden-württembergweit ausgesetzt hatte, fahren die Kliniken momentan noch unter Volllast, sprich parallel zum regulären OP-Programm erfolgt die COVID-19-Versorgung. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist es aber fraglich, wie lange diese Doppelbelastung so noch aufrechterhalten werden kann. Sowohl im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken als auch angesichts der Patienten, die im Falle eines erneuten Shut-Downs zeitweise auf OPs verzichten müssten, gilt es jetzt, gesellschaftlich geschlossen gegen die Pandemie vorzugehen!“

Umso mehr, als dass das Infektionsgeschehen nicht vor den Bediensteten im Gesundheitswesen haltmacht. „Allein im Oktober hatten bzw. haben wir bereits nur im Landkreis Böblingen 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die quarantänebedingt ausgefallen sind, das entspricht annährend 200 Schichtbesetzungen“, unterstreicht Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest. „Der Großteil der betroffenen Mitarbeiter ist zwar nicht infiziert, muss aber als Kontaktperson gemäß den RKI-Vorgaben in Quarantäne. Wenn das in den besonders vulnerablen Bereichen wie z. B. den Intensivstationen vorkommt, ist ein derartiger Ausfall hochqualifizierter Fachkräfte nur schwer zu kompensieren.“ So nimmt beispielsweise die Intensivstation am Krankenhaus Herrenberg noch bis kommenden Dienstag keine beatmungspflichtigen Patienten von extern mehr auf, da dort momentan fünf Intensivpfleger vorsorglich in Quarantäne sind; die Kliniken Böblingen fahren parallel ein reduziertes OP-Programm, da fünf Ärzte diese Woche coronabedingt ausgefallen sind. „Unter Corona ist das leider in den letzten Monaten Teil unseres Alltages geworden, in solchen Fällen Lösungen zu entwickeln; hier hilft uns die standortübergreifende Zusammenarbeit der Kliniken,“ so Loydl. Weder die Regel- noch die Notfallversorgung unterliegen somit zum jetzigen Zeitpunkt irgendwelchen Einschränkungen, alle Sprechstunden finden statt, die Ambulanzen aller Fachbereiche sind geöffnet. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen auch noch ausreichend Intensivkapazitäten in den Landkreisen Böblingen und Calw, aber auch in allen umliegenden Landkreisen zur Verfügung. Mittels des DIVI-Intensivregisters findet ohnehin eine geregelte landesweite Ressourcensteuerung statt, nicht nur für COVID-19-Patienten.

Vorhandene Intensivkapazitäten seien ein positives, wichtiges Signal an die Bevölkerung, welches aber nicht falsch gedeutet werden dürfe im Sinne einer Verharmlosung der aktuellen Lage, so der Landrat. Um Patienten aber eben auch die Klinikangestellten noch besser zu schützen, hat der Klinikverbund Südwest bereits Anfang der Woche alle Veranstaltungen mit externen Teilnehmern in den Standorten ausgesetzt. Einzige Ausnahme davon sind geburtshilfliche Veranstaltungen, wie Stillberatungen, Schwangereninfoabende oder auch Rückbildungskurse. Ab sofort gilt zudem auf allen Intensivstationen ein sehr eingeschränktes Besuchsrecht; nur noch in Ausnahmefällen in Rücksprache mit den behandelnden Ärzten sind Angehörigenbesuche dort mehr möglich. Auf allen anderen Stationen inklusive der Wochenstationen gilt noch die aktuelle Regelung aus der baden-württembergischen Corona-Verordnung, die einen Besucher pro Patienten pro Tag zulässt. „In enger Abstimmung mit den Behörden und unseren Trägern evaluieren wir die Situation aber tagesaktuell“, so Loydl. „Bei einem weiteren Anstieg der Zahlen müssen wir unsere Kliniken leider wieder mehr nach außen abschotten und das elektive OP-Programm weiter herunterfahren, um Ressourcen für die COVID-19-Behandlung freizusetzen. Parallel dazu werden engmaschigere Testungen durchgeführt, sowohl bei Mitarbeitern als auch Patienten: Alle stationären Patienten werden ohnehin bereits regelhaft bei der Aufnahme getestet, aktuell ziehen wir zudem in Erwägung, dies auch auf Teile der ambulanten Patienten auszuweiten und zusätzlich vermehrt Schnelltests anzuwenden.“