Aus dem Klinikverbund Südwest

Individuelle Lebensqualität im Alter neu denken: Symposium in Calw setzt kraftvolle Impulse für die geriatrische Versorgung der Zukunft

10.02.2026

Wie wollen wir im Alter leben? Und wie kann eine moderne Gesundheitsversorgung dazu beitragen, Selbstständigkeit, Würde und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten? Mit diesen zentralen Fragen beschäftigten sich am vergangenen Samstag rund 100 Besucherinnen und Besucher des interdisziplinären Symposiums „Individuelle Lebensqualität im Alter – neue Modelle der geriatrischen Versorgung“, veranstaltet vom Institut FON in Kooperation mit dem Klinikverbund Südwest (KVSW) in der Aula in Calw. Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha fungierte als Schirmherr und würdigte die Projektpartner für ihren humanistischen Anspruch und ihren großen Einsatz.

Die große Resonanz aus Fachwelt, Kommunalpolitik und Bürgerschaft unterstrich eindrucksvoll die gesellschaftliche Relevanz des Themas. Geriatrie bzw. Altersmedizin zählt heute zu den am schnellsten wachsenden medizinischen Fachrichtungen. Angesichts des demografischen Wandels wird eine leistungsfähige geriatrische Versorgung zunehmend zur Kernaufgabe regionaler Daseinsvorsorge.

Als regional verankerter Gesundheitsversorger stellt sich der Klinikverbund Südwest dieser Verantwortung bewusst. „Eine zukunftsfähige Altersmedizin denkt Versorgung ganzheitlich – medizinisch, menschlich und über den Klinikaufenthalt hinaus“, betonte KVSW-Geschäftsführer Alexander Schmidtke in seinem Grußwort. Der KVSW habe daher ein verbundweit integriertes Gesamtkonzept entwickelt, das geriatrische Versorgung konsequent durchgängig denke: von der Akutbehandlung über die Frührehabilitation bis zurück ins häusliche Umfeld. „Unser Ziel ist es, Selbstständigkeit zu wahren und mit Lebensqualität zu altern. Genau dafür braucht es neben klinischen vor allem ambulante, mobile und teilambulante Strukturen.“

Worte und Musik als therapeutische Schlüssel

Im Mittelpunkt des Abends stand die Vorstellung neuer interdisziplinärer Ansätze einer ganzheitlichen geriatrischen Versorgung. Hochkarätige Fachvorträge aus Geriatrie, Neurologie, Sprach-, Kultur-, Musik- und Kunstwissenschaften beleuchteten das Altern aus medizinischer, therapeutischer und kultureller Perspektive. Die KVSW-Chefärzte Dr. Mimoun Azizi und PD Dr. Stephan Lauxmann brachten dabei ihre ausgewiesene Expertise ein und standen exemplarisch für das hohe fachliche Niveau und das große persönliche Engagement im Klinikverbund.

Dr. Azizi als geschäftsführender Chefarzt der Altersmedizin im Klinikverbund hob die besondere Bedeutung von Sprache in der Altersmedizin hervor. Gerade poetische Sprache könne Melancholie lindern, soziale Teilhabe fördern und kognitive Fähigkeiten aktivieren – ein „kleines Fitnessstudio fürs Gehirn“. Wie Musik als nicht-medikamentöser Therapieansatz kommunikative Brücken bauen, Stress reduzieren und verbliebene Fähigkeiten aktivieren kann, zeigte PD Dr. Lauxmann, Chefarzt der Neurologie an den Kliniken Sindelfingen-Böblingen, eindrucksvoll in seinem Impuls. „Musik als Medizin“ wirke therapeutisch auf kognitive, motorische, emotionale und soziale Funktionen und spiele insbesondere bei Demenz oder nach neurologischen Ereignissen eine zentrale Rolle.

Gemeinsame Verantwortung für die Altersmedizin der Zukunft

Florian Kling, Oberbürgermeister der Stadt Calw, machte die demografische Entwicklung auf kommunaler Ebene etwas greifbarer: Bis 2044 werde die Zahl der über 80-Jährigen in Calw von heute rund 1.800 auf etwa 2.700 Menschen steigen – verbunden mit einem erwarteten Anstieg der Pflegebedürftigkeit um rund 50 Prozent. Das Projekt stehe somit für eine vorausschauende gemeinsame Verantwortungsübernahme.

Ein besonderer Moment des Abends war die Würdigung von Prof. Dr. Marion Hermann-Röttgen. Sie ist Gründerin des Instituts FON und Motor der langjährigen Kooperation mit dem KVSW. Das Institut ist eine spezialisierte Einrichtung für Logopädie, Sprach- und Sprechtherapie sowie fachliche Fortbildung. Für fünf Jahrzehnte Vertrauen und gemeinsames Engagement überreichte Geschäftsführer Alexander Schmidtke ihr eine Medaille der Anerkennung. Diese Auszeichnung wurde erst zum zweiten Mal in der Geschichte des KVSW verliehen.

Doppeltes Jubiläum als Zeichen des Aufbruchs

Der Blick in die Zukunft ist für den Klinikverbund von besonderer Bedeutung. Das Jahr 2026 markiert für den KVSW ein doppeltes Jubiläum: 20 Jahre Unternehmensgeschichte treffen auf 50 Jahre Zusammenarbeit mit dem Institut FON – eine Verbindung, die für Kontinuität, Verlässlichkeit und gemeinsamen Gestaltungswillen in der regionalen Gesundheitsversorgung steht. Während die langjährige Kooperation ihre „Goldene Hochzeit“ feiert, versteht der KVSW sein eigenes Jubiläum bewusst als Aufbruchsjahr. Die Baustellenübergabe und der bevorstehende Umzug der Kliniken Calw auf den neuen Gesundheitscampus bilden dafür einen starken, sichtbaren Auftakt. Sie stehen sinnbildlich für Weiterentwicklung, Innovationskraft und den klaren Anspruch des Klinikverbunds, die Gesundheitsversorgung in der Region auch künftig aktiv, verantwortungsvoll und zukunftsorientiert zu gestalten.

„Es braucht eine Korrektur der Altersversorgung. Und es braucht Partner, die bereit sind, neue Wege zu gehen“, betonte Prof. Dr. Marion Hermann-Röttgen. „Gerade die Versorgung im eigenen Zuhause hat eine enorme Kraft. Sie stärkt Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensfreude – und gibt älteren Menschen Halt in einer vertrauten Umgebung.“ Der Klinikverbund Südwest sieht sich dabei als starker, verlässlicher Akteur der regionalen Gesundheitsversorgung. „Wir tragen Verantwortung, die Gesundheitsversorgung im Alter auch über den Klinikaufenthalt hinaus mitzudenken“, unterstrich KVSW-Geschäftsführer Alexander Schmidtke abschließend. „Dieses Projekt und die Kooperation mit dem Institut FON sind dafür ein leuchtendes Beispiel.“