Aus dem Klinikverbund Südwest

Scharfe Kritik an Kürzung der Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis Leonberg

18.05.2026

Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) kündigt Änderung der Öffnungszeiten zum 1. Juli 2026 an

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat darüber informiert, dass die Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Leonberg zum 1. Juli 2026 massiv reduziert werden sollen. Konkret plant die KVBW noch einen Betrieb zu folgenden Zeiten:

  • Mittwoch und Freitag: 16:00 bis 19:00 Uhr
  • Wochenenden und Feiertage: 9:00 bis 19:00 Uhr

Damit entfallen die Bereitschaftszeiten an drei Wochentagen vollständig, an anderen Tagen werden sie deutlich gekürzt. Bislang gelten folgende Öffnungszeiten:

  • Montag, Dienstag, Donnerstag: 18:00 bis 20:00 Uhr
  • Mittwoch und Freitag: 14:00 bis 20:00 Uhr
  • Samstag, Sonntag, Feiertage: 08:00 bis 20:00 Uhr

Landrat Roland Bernhard, der Leonberger Oberbürgermeister Tobias Degode und der Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest (KVSW), Alexander Schmidtke, kritisieren diese Entscheidung der KVBW scharf. „Diese drastische Reduzierung der Öffnungszeiten ist ein fatales Signal für die ambulante Notfallversorgung“, so Landrat Roland Bernhard, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des KVSW ist. „Die Kassenärztliche Vereinigung zieht sich aus ihrer Verantwortung für eine wohnortnahe ärztliche Versorgung zurück und überlässt die Folgen den Kommunen, den Kliniken – und vor allem den Patientinnen und Patienten. Wir halten diese Kürzung für fachlich falsch und strukturell kurzsichtig.“

Oberbürgermeister Tobias Degode: „Leonberg ist ein stark wachsender Standort mit hoher medizinischer Nachfrage. Ausgerechnet hier die Bereitschaftszeiten so zusammenzustreichen, passt in keiner Weise zur Realität vor Ort. Wer die Öffnungszeiten derart einschränkt, riskiert, dass sich die Menschen im Ernstfall nicht mehr gut versorgt fühlen. Die Bereitschaftspraxis ist ein wichtiger Baustein der Daseinsvorsorge – ihre massive Schwächung stößt bei uns auf völliges Unverständnis.“

Geschäftsführer Alexander Schmidtke: „Die Notaufnahmen unserer Kliniken sind schon heute an der Belastungsgrenze. Wenn die Bereitschaftspraxis deutlich weniger geöffnet hat, werden viele Patienten mangels erreichbarer Alternative zusätzlich in die Notaufnahme kommen – genau das, was laut KVBW gerade vermieden werden soll, was wir aber an anderer Stelle im Verbund bereits beobachten können. Die Folge ist eine weitere Überlastung der Kliniken und längere Wartezeiten für echte Notfälle. Diese Entwicklung halten wir für unverantwortlich.“

Sorge vor Verlagerung in die Notaufnahmen

Landkreis, Stadt und Klinikverbund befürchten, dass die von der KVBW geplante Reform zu einer Verlagerung von Fällen aus der ambulanten Notfallversorgung in die ohnehin stark beanspruchten Notaufnahmen der Kliniken führt. Insbesondere in den Abendstunden unter der Woche sowie in den frühen Morgen- und späten Abendstunden an Wochenenden und Feiertagen entsteht durch die Kürzung eine Versorgungslücke.

„Die KVBW weist zwar auf Telemedizin und Hausbesuchsdienst hin; diese Angebote können die wegfallenden Präsenzzeiten der Bereitschaftspraxis aber nicht im gleichen Umfang und für alle Patientengruppen ersetzen“, befürchtet Landrat Bernhard. „Für viele ältere Menschen, für Familien mit kleinen Kindern oder für akute Fälle, bei denen eine unmittelbare Untersuchung nötig ist, bleibt die persönliche ärztliche Präsenz vor Ort unverzichtbar.“

Landrat Bernhard, Oberbürgermeister Degode und KVSW-Geschäftsführer Schmidtke erwarten, dass „sich die KVBW nicht einfach ihrer Verantwortung für die ärztliche Versorgung entzieht, sondern mit uns eine Lösung erarbeitet, die der Bedeutung des Standorts Leonberg und der Versorgung der Bevölkerung gerecht wird.“ Es brauche eine weitreichende Planung für ein gutes medizinisches Angebot vor Ort, für alle Menschen in und um Leonberg.