Aus dem Klinikverbund Südwest

Urologische Klinik Sindelfingen erweitert Therapieangebot: Zwei neue Verfahren verbessern Behandlungsmöglichkeiten bei Inkontinenz und Harnröhrenverengung

31.03.2026

Neben neuen Diagnosetechniken bietet die Urologische Klinik Sindelfingen (UKS) nun auch zwei neue, innovative Therapien an: das ATOMS-System zur Behandlung einer Belastungsharninkontinenz sowie das Optilume-Verfahren, ein medikamentenbeschichteter Ballonkatheter zur Behandlung von Harnröhrenstrikturen.

Neue Option bei Inkontinenz: Das ATOMS-System

Inkontinenz beim Mann kann unter anderem die Folge einer Prostataoperation zu sein. Zunächst werden in der Regel konservative Methoden wie ein Beckenbodentraining und Elektrostimulationstherapien angewandt. Reichen diese nicht aus, kommen operative Verfahren zum Einsatz. Neben dem bereits seit längerem in Sindelfingen etablierten künstlichen Schließmuskel steht nun auch das innovative ATOMS-System zur Verfügung. Welches Verfahren für den Patienten am besten geeignet ist, darüber wird mit den Patienten im Rahmen der Kontinenzsprechstunde gesprochen.

Das ATOMS-System ist vor allem bei leichten und mittleren Inkontinenzgrad eine vielversprechende neue Alternative, es kann sehr gute Ergebnisse erzielen, bei schwerer Inkontinenz bietet sie zumindest eine Verbesserung der Kontinenz an. Für Betroffene macht das einen großen Unterschied; Inkontinenz bedeutet eine massive Einschränkung in der Lebensqualität. Kann diese erfolgreich behandelt werden, wirkt sich das nicht nur auf den Alltag, sondern auch auf die Gesundheit des Patienten insgesamt aus, weil er wieder am sozialen Leben teilnehmen und sich mehr bewegen kann.

Beim ATOMS-System handelt es sich um ein Inkontinenzband mit einem Silikonkissen. Dieses wird unter der Harnröhre platziert und unterstützt diese. Durch Auffüllen/Ablassen des Kissens kann es individuell angepasst werden. Dabei ist ATOMS das einzige System, bei dem dies auch nach der Operation über ein kleines Einstellventil noch möglich ist. Von außen ist es nicht sichtbar. Verspürt der Patient einen Harndrang, geht er wie gewohnt auf die Toilette. Im Gegensatz zum künstlichen Schließmuskel muss beim Gang zur Toilette nichts aktiv bedient werden.

„Wir reagieren mit der Einführung von ATOMS nicht nur auf die Innovation. Vielmehr ist es uns als zertifiziertes Prostatakarzinomzentrum sehr wichtig, auch mögliche Folgen einer Prostatakarzinomoperation für unsere Patienten so weit wie möglich abzufangen und unseren Patienten so viel Lebensqualität zurückzugeben, wie es medizinisch möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Thomas Knoll, Chefarzt der Urologischen Klinik Sindelfingen (UKS).

Innovative Behandlung von Harnröhrenverengungen: Optilume senkt Rückfallrisiko

Als weitere Innovation bietet die UKS seit einigen Monaten die Behandlung von Harnröhrenverengungen mit Optilume, einem medikamentenbeschichteten Harnröhrenkatheter, an. Er wurde entwickelt, um ein minimalinvasives Therapieverfahren zu haben, das die hohe Rückfallquote (Rezidivrate) senkt. Studien zeigen, dass rund 72 Prozent der behandelten Patienten langfristig beschwerdefrei bleiben.

Bei einer Harnröhrenstriktur handelt es sich um eine narbige Verengung der Harnröhre die zu einem schwachen Harnstrahl, Schmerzen und Restharnbildung führen kann.  Die Ursachen können Unfälle und Verletzungen sein, aber auch Infektionen oder medizinische Eingriffe. Unbehandelt besteht die Gefahr von Komplikationen wie wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, einem Harnverhalt oder von Nierenschäden. Als Therapiemöglichkeiten kamen bislang endoskopische Eingriffe (Spiegelung der Harnröhre und innere Schlitzung, die Urethrotomie) mit relativ hohe Rückfallquote (Rezidivrate) oder aber offene Operationen (Rekonstruktion der Harnröhre mit Mundschleimhaut) in Betracht.

Das Entscheidende an Optilume ist die Kombination von Ballonkatheter zur Aufdehnung der Harnröhre mit der gleichzeitigen Abgabe eines Medikaments, das ein erneutes Zuwachsen des Gewebes ebenso hemmt wie die Narbenbildung. Etwas Vergleichbares wird seit Langem bei Herzkatheteruntersuchungen eingesetzt. Neu ist also die Anpassung an urologische Anforderungen. Von den gesetzlichen Krankenversicherungen wird Optilume derzeit noch nicht getragen, so dass die Kosten von den Patienten anteilig übernommen werden müssen. Bei privat Versicherten muss eine Kostenzusage vor dem Eingriff eingeholt werden. Oberarzt Johannes Dlugosch ist von dem Verfahren überzeugt: „Natürlich muss auch hier von Fall zu Fall entschieden werden, ob es die richtige Therapie ist. Aber es ist ein ambulanter, minimalinvasiver Eingriff mit minimaler Komplikationsrate und sehr guten, vor allem dauerhaften Ergebnissen, weshalb eine Erwägung sich lohnt“.