Grafik: Wirbelsäule

Knochen, Gelenke, Wirbelsäule

Knochenbrüche an Schulter, Ellenbogen und Hand

Ein Sturz ist schnell passiert: Beim Sport, beim Heimwerken, beim Spielen oder auf Glatteis können Menschen stürzen und sich dabei an den Armen und Händen verletzen. Die unterschiedlich schweren Verletzungen müssen fachgerecht versorgt werden. Eine genaue Untersuchung einschließlich Röntgen erlaubt, die Schwere eines Bruches einzuschätzen und die richtige Behandlung – mit einer Schiene, einem Gips oder einer operativen Methode – festzulegen. Dabei sollen Knochen und Gelenke möglichst wiederherstellt werden, damit der Patient seine Arme wieder so normal wie möglich bewegen kann.

Knochenbrüche von Schultergelenk und Schultergürtel

Diese Verletzungen entstehen meist durch einen direkten Sturz auf die Seite, bei dem entweder das Schlüsselbein oder der Oberarmkopf brechen. Die Betroffenen spüren unmittelbar den Schmerz und sind stark in der Beweglichkeit eingeschränkt, wo der Arm noch kurz zuvor problemlos gehoben werden konnte. Brüche des Schlüsselbeins – eine häufige Verletzung von Radfahrern oder anderen Sportlern – können mit einem speziellen Verband (einem sogenannten Rucksachverband) geschient werden. In den letzten Jahren setzt sich für stark verschobene Brüche aber immer mehr die operative Stabilisierung mit einem Drahtstift oder einer Metallplatte durch. Diese Implantate sollten nach vollständiger Heilung wieder entfernt werden, weil sie dicht unter der Haut liegen und dort stören können.

Der Oberarmkopf bildet mit der Pfanne des Schulterblattes das eigentliche Schultergelenk. Brüche dieses Kopfes sind vor allem bei älteren Menschen häufig, kommen aber in allen Altersgruppen vor. Ist der Bruch nicht oder nur wenig verschoben, kann eine konservative Behandlung mit einem ruhigstellenden Verband und Krankengymnastik ausreichen. Stärker verschobene Brüche werden typischerweise mit einer Metallplatte und Schrauben stabilisiert. Für Menschen, die mit über 70 Jahren einen Trümmerbruch erleiden, ist ein Kunstgelenk eine aufwendige, aber effektive Lösung. Hier setzen sich insbesondere die inversen Prothesen mehr und mehr durch, bei denen Kugel und Pfanne vertauscht sind, was die mechanischen Bedingungen für die Schulterfunktion verbessert.

Knochenbrüche des Ellenbogens

Direkte Stürze auf den Ellenbogen haben Brüche des Ellenhakens oder des unteren Endes des Oberarmknochens zur Folge. Bei diesen Brüchen ist fast immer eine operative Stabilisierung erforderlich, weil durch den Bruch und den Zug der Muskulatur eine erhebliche Fehlstellung auftritt, die mittels eines Gipses nicht korrigiert werden kann. Essentiell ist hier auch die Schonung von wichtigen Nervenbahnen, die am Ellengelenk dem Knochen dicht anliegen.

Brüche des Speichenköpfchens am Ellengelenk sind typische Verletzungen von Radfahrern, die auf den ausgestreckten Arm fallen. Während einfache, wenig verschobene Brüche nur kurz ruhiggestellt und danach mit Krankengymnastik behandelt werden können, bevorzugen wir für verschobene Brüche die Wiederherstellung mit speziellen Minischrauben und -platten. Bei vollständiger Zerstörung des Köpfchens kann auch mit einem Teilgelenkersatz die Stabilität und Beweglichkeit des Ellengelenkes wiederhergestellt werden.

Knochenbrüche des Handgelenkes

Der häufigste Knochenbruch des Menschen überhaupt ist der Bruch des Handgelenkes, der vorwiegend durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand entsteht. Eigentlich betroffen ist dabei die Speiche, einer der beiden Unterarmknochen. Diese Brüche werden durch Osteoporose begünstigt, aber auch durch innere Erkrankungen, die mit Schwindel oder Bewusstseinsstörungen einhergehen. Viele der Brüche können in einer örtlichen Betäubung eingerichtet und mit einem Gipsverband für 4 bis 6 Wochen ausgeheilt werden. Bei starken Verschiebungen und Beteiligung der Gelenkfläche ist allerdings eine operative Stabilisierung vorzuziehen. Dazu werden die einzelnen Bruchstücke in die korrekte Position gebracht und mit einer Metallplatte und Schrauben stabilisiert. Mit einer solchen Versorgung ist oft eine frühe Bewegungstherapie möglich.

Welche diagnostischen Verfahren sind wichtig?

Normale Röntgenaufnahmen sind bei einfacheren Verletzungen ausreichend, um diese korrekt einzuschätzen und die Behandlung zu planen. Bei komplexen Verletzungen der Gelenke hilft ein Schnittbildverfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Kernspintomografie (MRT). Die CT ist überlegen bei der Darstellung von mehreren Knochenbruchstücken, wogegen die MRT auch Kapsel und Bänder abbildet.

Welche Implantate kommen zum Einsatz?

Üblich sind heute Platten und Schrauben aus Titan, einem rostfreien und hochstabilen Werkstoff, der vom Körper hervorragend toleriert wird. Diese Platten sind häufig schon so vorgeformt, dass sie sich den komplex gekrümmten Knochenoberflächen gut anpassen lassen. Auch die Schulterprothesen, die nach Knochenbrüchen eingesetzt werden, bestehen überwiegend aus Titan und hochwertigen Gleitflächen, zum Beispiel aus hochvernetztem Polyäthylen oder Keramik.

Müssen die Implantate wieder entfernt werden?

Bei Kindern und jungen Erwachsenen entfernt man grundsätzlich alle Implantate. Je älter der Verletzte jedoch ist, desto eher ist es vertretbar, die Implantate lebenslang zu belassen. Dank der hochwertigen Materialien muss man auch nach Jahrzehnten keine Probleme wie etwa Korrosion befürchten. Wenn aber einzelne Teile der metallischen Implantate die Beweglichkeit behindern oder unter der Haut drücken, wird man sie entfernen. Kunstgelenke hingegen ersetzen Teile des eigenen Knochens und müssen deshalb dauerhaft im Körper verbleiben.

Wie sieht die Nachbehandlung aus?

Meist werden für kurze Zeit nach der Operation noch ein schützender Verband und eine Schiene angelegt. Für die Krankengymnastik können diese Schienen aber schon entfernt werden. Da die obere Körperhälfte betroffen ist, kann der Verletzte rasch wieder aufstehen und verlässt meist nach wenigen Tagen die Klinik. Eine gute Nachbehandlung mit Krankengymnastik ist für die Wiederherstellung der Gelenkfunktion wichtig.

Auch wenn die metallischen Implantate den Knochen stützen, so ist die Belastbarkeit bis zum Abschluss der Knochenbruchheilung nach durchschnittlich 4 bis 8 Wochen noch eingeschränkt. Frisch Operierte sollen sich deshalb nicht mit dem verletzten Arm aufstützen oder schwere Gegenstände heben. Der Vorteil der operativen Behandlung besteht vor allem darin, dass die Hand und der Arm rasch wieder im Alltag eingesetzt werden können, beispielsweise beim Essen, Anziehen oder der Körperpflege. Die gesamte Heilungsphase kann sich allerdings mitunter über mehrere Monate erstrecken.

Patienten, die sich wegen einer Verletzung zunächst nicht selber versorgen können, benötigen Unterstützung durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste oder sogar einen Platz in einem Pflegeheim. Bei der Organisation ist unser Sozialdienst behilflich.

Prof. Dr. med. Axel Prokop

Prof. Dr. med. Axel Prokop

Klinik für Unfallchirurgie

Sindelfingen

PD Dr. Michael R. Sarkar

PD Dr. med. Michael Sarkar

Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Leonberg

Dr. med. Johannes Maihoff

Dr. med. Johannes Maihoff

Chirurgische Klinik
Bereich Unfallchirurgie und Orthopädie

Herrenberg

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Dr. med. Kai Roy

Chirurgische Klinik
Bereich Unfallchrirurgie

Nagold