Grafik: Niere, Blase, Prostata

Niere, Blase, Prostata

Harnsteine / Urolithiasis

Harnsteine sind häufig

Harnsteine gehören zu den häufigsten urologischen Erkrankungsbildern, manche sprechen gar von einer Volkskrankheit, denn:  Auch immer mehr Deutsche leiden an Harnsteinen.  Die Zahl der Neuerkrankungen hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre verdreifacht. Heute ist fast jeder 10. Bundesbürger einmal oder mehrfach im Leben betroffen. Heißt: Bei Ihnen besteht eine Chance von fünf bis zehn Prozent, dass sich im Laufe Ihres Lebens ein Stein bilden wird.

Bei Männern bilden sich Steine im Allgemeinen häufiger als bei Frauen. Die Quote beträgt 3:1. Die größte Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Stein bildet, besteht im Alter von 30 bis 50 Jahren. Bei Patienten mit Steinen besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass mehr als einmal im Leben Steine entstehen.

Harnsteine kommen in vielen Varianten vor

Harnsteine sind Ablagerungen, die sich in der Niere aus Kristallen bilden. Am häufigsten sind Ablagerungen aus Kalziumoxalaten. Sie machen etwa 70 bis 75 % aller Harnsteine aus. Weitere, häufige Bestandteile sind Harnsäure, Kalziumphosphat, Magnesium-Ammonium-Phosphat oder Zystin.

Ursachen für  Harnsteine  gibt es viele

Nieren- und Harnleitersteine entstehen  aufgrund von nicht optimalen Ernährungsgewohnheiten oder durch Stoffwechselstörungen. Eine Ursache der ansteigenden Häufigkeit der Harnsteinerkrankung in den sogenannten westlichen Industrieländern wird in der zunehmenden Übergewichtigkeit der Bevölkerung gesehen, die gleichzeitig auch zu einer Zunahme der Blutzuckerkrankheit, des Bluthochdrucks und zu Fettstoffwechselstörungen führt (metabolisches Syndrom).

Wie bemerke ich,  ob ich einen Stein habe?

Harnsteine können durch sehr unterschiedliche Symptome auffallen. Am dramatischsten ist sicher die sogenannte „Nierenkolik“.  Dabei handelt es sich um stechende Schmerzen im Lenden- und Flankenbereich . Nierenkoliken treten auf, wenn ein Harnstein den normalen Urinfluss durch den Harnleiter blockiert. Dabei kommt es zu einem starken Druckanstieg.  Neben den Schmerzen kann es zu Übelkeit/Erbrechen und Blut im Urin kommen. Bei  der  Nierenkolik handelt es sich um einen Notfall, bei dem sie rasch einen Arzt aufsuchen sollten.

Die meisten Harnsteine werden ausgeschieden

Manche Patienten haben also starke Schmerzen, andere verspüren dagegen überhaupt keine Schmerzen. Das Auftreten von Schmerzen hängt im Wesentlichen von der Größe und Form des Steins ab -  aber auch davon, wo sich der Stein im Harntrakt befindet. Die meisten Harnsteine (ca. 80 %) werden auf natürliche Weise beim Wasserlassen ausgeschieden. Das kann allerdings eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen – und mit Schmerzen bis hin zu Nierenkoliken verbunden sein. Die Ausscheidung kann durch krampf- und schmerzlösende Medikamente beschleunigt werden. Kommt es trotz dieser Maßnahmen nicht zu einem Spontanabgang, wird der Urologe eine weiterführende Behandlung einleiten, um mögliche Schwierigkeiten zu verhindern.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Harnsteinen?

Geht ein Stein nicht selbstständig ab oder sind die Beschwerden zu groß, stehen aktive Therapien für Harnsteine zur Verfügung.  Am urologischen Fachzentrum im KVSW bieten wir das gesamte Spektrum der Steintherapie an. Die urologische Klinik in Sindelfingen hat sich durch langjährige Expertise und Forschungsaktivität  im Bereich der Steintherapie einen überregionalen Ruf erworben.

Die Harnsteintherapie wird heute immer minimal-invasiv durchgeführt.  Möglichkeiten sind endoskopische Therapieverfahren wie die Ureterorenoskopie (URS) und die perkutane Litholapaxie (PCNL) oder die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWL). Welches Verfahren das richtige für Sie ist, hängt von Ihren individuellen Untersuchungsergebnissen ab und sollte individuell mit Ihrem Arzt besprochen werden. 

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWL)

Hierbei handelt es sich um ein minimal-invasives Verfahren einer Zertrümmerung von Harnsteinen  durch Schallwellen (sogenannte „Stoßwellen“). Die Stoßwellen werden von außen über die Haut aufgebracht. Der Stein absorbiert  die Energie der Stoßwellen und zerbricht dadurch in viele kleinere Teile. Diese Kleinteile sollten dann später mit dem Urin abfließen. Die ESWL ist ein gut erprobtes und wirksames Verfahren. Sie wird bereits seit 1980 in der Steintherapie eingesetzt. Vorteil des Verfahrens ist die berührungsfreie Steinzertrümmerung, in der Regel wird keine Vollnarkose benötigt. Allerdings sind nicht alle Steine für eine ESWL Therapie geeignet.

Ureteroskopie (URS)

Hierbei handelt es sich um eine endoskopische Form der Steintherapie. Heißt: das verwendete Instrument (Endoskop) wird über die Harnröhre als natürlichen Eingang zum Harntrakt eingeführt. Es  bleiben keinerlei äußere Narben zurück.  Die Steine können in einer einzigen Behandlung gesehen, eventuell  zerkleinert und entfernt werden. Bei der URS handelt es sich um eine gängige Behandlungsmethode mit hoher Erfolgsrate und geringem Komplikationsrisiko. Meist können die Steine mit nur einer einzigen Behandlung vollständig entfernt werden. Eine Vollnarkose ist in der Regel notwendig.

Perkutane Nierensteinentfernung (PCNL)

Bei der PCNL findet die Steinentfernung durch Punktion von außen über die Haut statt. Der Eingriff wird prinzipiell in Vollnarkose durchgeführt. Die Punktion wird unter Kontrolle durch ein Ultraschallgerät und Röntgen durchgeführt. Der Schnitt, der dafür erforderlich ist, liegt in der Flanke und ist ca. 1,5 cm lang. Nach Einführen des Endoskops in die Niere kann der Stein mit dünnen Instrumenten zerkleinert und entfernt werden. Die PCNL hat den Vorteil, dass auch sehr große Steine im Rahmen einer einzigen Operation entfernt werden können. Die Methode ist im Vergleich zur ESWL und URS invasiver, das Risiko bleibt dennoch gering.

Weitere Informationen zu urologischen Erkrankungen finden sie auf den Informationsseiten der Eurpäischen Urologischen Gesellschaft.

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Prof. Dr. med. Thomas Knoll, MSc

Urologische Klinik

Sindelfingen

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Dr. med. Ulrich Haag

Klinik für Urologie

Nagold