Aus dem Klinikverbund Südwest

Innovative Technik in den Kliniken Sindelfingen ermöglicht minimalinvasive Rippenstabilisierung über kleine Zugänge

23.09.2026

Die Klinik für Unfallchirurgie am Klinikum Sindelfingen erweitert ihr operatives Spektrum bei schweren Verletzungen des Brustkorbs: Dank eines speziell für minimalinvasive Verfahren entwickelten Implantatsystem können gebrochene Rippen nun über kleine Zugänge und unter Kamerasicht minimalinvasiv von der Innenseite des Brustkorbs stabilisiert werden. Mit der neuen Technik greift die Klinik eine medizinische Innovation auf, die die etablierten Verfahren sinnvoll ergänzt.

Sind mehrere Rippen gebrochen, beeinträchtigt das die gesamte Atemmechanik. Der Verunfallte kann nur noch unter erheblichen Schmerzen Luft holen, der instabile Thorax lässt eine Ausdehnung der Lungen nicht mehr in dem benötigten Ausmaß zu. Es kann sogar eine künstliche Beatmung notwendig werden. In der Sindelfinger Unfallchirurgie begegnen den Ärztinnen und Ärzten solche komplexen Rippenfrakturen etwa nach schweren Verkehrs- oder Arbeitsunfällen. Bei älteren Menschen mit Osteoporose hingegen können bereits deutlich geringere Krafteinwirkungen zu mehreren Rippenbrüchen führen. Bisher war die einzige Möglichkeit, die Rippen wieder zu stabilisieren eine offene Operation, bei der Platten auf die Rippen mit Schrauben gesetzt wurden, die sogenannte Plattenosteosynthese.

Das in Deutschland erst seit kurzer Zeit zugelassenen Implantatsystem RibFix Advantage wurde speziell entwickelt, um die Stabilisierung der Rippen durch eine minimalinvasive Operationstechnik zu ermöglichen. Die Operation benötigt dafür eine Brustkorbspiegelung. „Das Ziel, die natürliche Mechanik und Stabilität des Brustkorbs wiederherzustellen, wird mit beiden Verfahren, also der Plattenosteosynthese, wie auch dem RibFix-Verfahren, gleichermaßen erreicht“, erklärt Dr. Marc Chmielnicki, leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie Sindelfingen. Allerdings eignet sich das minimalinvasive Vorgehen nicht für jeden Fall. Zum Beispiel können ausgeprägte Verwachsungen im Brustkorb das Verfahren erheblich begrenzen und damit zur herkömmlichen Plattenosteosynthese zwingen. „Entscheidend ist für uns, dass das Verfahren für unsere Patientinnen und Patienten einen medizinischen Nutzen hat“, verdeutlicht der Unfallchirurg. „Wenn wir auf einen größeren, offenen Zugang verzichten können, ist das immer schonender, die Patienten haben weniger Schmerzen, da das Zugangstrauma minimiert wird, sie erholen sich daher deutlich schneller. Wenn aber die Begleitumstände gegen das minimalinvasive Vorgehen sprechen, hat man keine andere Möglichkeit und muss die offene Operation durchführen. Die Wahl der geeigneten Vorgehensweise muss deshalb immer anhand des Verletzungsmusters und der individuellen Situation des Patienten getroffen werden.“ Deshalb bleiben die bisher etablierten Operationsverfahren auch unverändert Teil des Behandlungsspektrums, sozusagen als Backup-System. Inzwischen wurden dem ersten Patienten erfolgreich die Rippen im minimalinvasiven Vorgehen stabilisiert. Sindelfingen gehört damit zu den bislang wenigen Kliniken in Deutschland, die das neue Implantatsystem bereits in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen haben. Das passt zur Ausrichtung und Mentalität der Klinik. Die Unfallchirurgie verfügt über den denkbar höchsten Standard, was Medizintechnik und Know-how betrifft. Kontinuierlich werden neue Verfahren geprüft, ob sie das Leistungsspektrum sinnvoll ergänzen. Hierfür bilden sich die Ärztinnen und Ärzte der Unfallchirurgie regelmäßig auf Kongressen und Fortbildungen weiter.

Eine besondere Expertise besteht in der Sindelfinger Unfallchirurgie bei der Versorgung von Verletzungen älterer und hochbetagter Menschen. Gemeinsam mit der Altersmedizin (Geriatrie) betreibt die Klinik das Zentrum für Alterstraumatologie (ZAT). Dort werden geriatrische Patientinnen und Patienten versorgt, bei denen zu der akuten Verletzung viele weitere Erkrankungen hinzukommen. „Gerade bei älteren Menschen müssen wir die Behandlungsstrategie sehr genau abwägen“, erklärt Dr. Chmielnicki. „High-Tech-Medizin ist für uns kein Selbstzweck. Sie ist dann gut, wenn sie uns hilft, die Behandlung an den Menschen anzupassen, weshalb es wichtig ist, über ein breites Therapiespektrum zu verfügen.“

Bild: Ltd. OA Dr. Marc Chmielnicki (li) und OA Dr. Fabian Frölich