Der Klinikverbund Südwest (KVSW) und der Landkreis Böblingen sehen sich in ihrer Kritik an der kurzfristigen Kürzung der Öffnungszeiten des kinderärztlichen Notdienstes in der Kinderklinik Böblingen bestätigt und erneuern diese nun mit Nachdruck.
Im laufenden Betrieb zeigt sich inzwischen deutlich, welche Folgen die reduzierten Öffnungszeiten haben. An Wochenenden und Feiertagen kommen durchschnittlich 14 zusätzliche Patientinnen und Patienten in die Böblinger Kinderklinik. Entgegen zwischenzeitlicher Einschätzungen der KVBW stellt dies eine erhebliche Mehrbelastung für das ohnehin stark beanspruchte Personal dar. Für die kleinen Patientinnen und Patienten und ihre Eltern führt die Entwicklung zu längeren Wartezeiten; für die ärztlichen und pflegerischen Teams bedeutet sie zusätzlichen Druck in einer bereits angespannten Versorgungssituation.
Aus Sicht von Klinikverbund und Landkreis geht damit auch das Konzept der KVBW „digital vor ambulant vor stationär“ in der derzeitigen Umsetzung nicht auf. Wo ambulante Strukturen früher schließen, verlagert sich die Versorgung unmittelbar in die Klinik.
Erschwerend kommt hinzu, dass die geänderten Öffnungszeiten von Seiten der KVBW offensichtlich bislang nicht flächendeckend kommuniziert wurden. Für Familien entsteht dadurch zusätzliche Unsicherheit in einer Situation, in der schnelle Orientierung besonders wichtig ist. In der Folge treffen längere Wartezeiten und unklare Informationen zunehmend auf angespannte Erwartungen vor Ort. Dies führt immer häufiger zu verbalen Anfeindungen gegenüber Mitarbeitenden, die vom KVSW nicht toleriert werden. Der Klinikverbund sieht deshalb nicht nur dringenden Handlungsbedarf bei den Öffnungszeiten und der öffentlichen Kommunikation, sondern auch beim Schutz der ärztlichen und pflegerischen Teams.
„Die Entwicklung der vergangenen Wochen zeigt, dass unsere Sorge absolut berechtigt war“, so der Böblinger Landrat Roland Bernhard. „Wenn an Wochenenden und Feiertagen im Schnitt 14 zusätzliche Kinder in der Klinik versorgt werden müssen, ist das eine erhebliche Mehrbelastung und eine spürbare Verschiebung der Versorgungslast. Kinder, Eltern und die Beschäftigten in der Kinderklinik dürfen nicht ausbaden, dass eine solche Entscheidung kurzfristig und ohne tragfähige Abstimmung umgesetzt wurde. Wir erwarten deshalb, dass die KVBW hier kurzfristig nachbessert.“
KVSW-Geschäftsführer Alexander Schmidtke sagt: „Unsere Teams in der Kinderklinik kommen ihrem Versorgungsauftrag für akut erkrankte Kinder in der Region jeden Tag verlässlich und mit großem Einsatz nach. Die Kinderklinik darf jedoch nicht zur Auffanglösung für Versäumnisse in der ambulanten Versorgung werden. Wir erwarten, dass auch die Kassenärztliche Vereinigung ihrem Versorgungsauftrag nachkommt und den kinderärztlichen Notdienst an Wochenenden und Feiertagen wieder erweitert. Nur so lassen sich zusätzliche Belastungen für die kleinen Patientinnen und Patienten, ihre Eltern und unsere Mitarbeitenden wirksam vermeiden.“
Der Klinikverbund Südwest und der Landkreis Böblingen fordern die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg sowie die niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzte daher auf, den kinderärztlichen Notdienst an Wochenenden und Feiertagen ab sofort um eine Stunde bis 20 Uhr zu verlängern. Darüber hinaus müssen alle öffentlichen Informationskanäle, insbesondere die kommunalen Mitteilungs- und Gemeindeblätter, unverzüglich aktualisiert werden.
