Stroke Units sind speziell für die Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten eingerichtete Einheiten. Hier werden die für einen Schlaganfall notwendigen Strukturen gebündelt: schnelle Diagnostik und Therapie, kontinuierliche Überwachung, entsprechend qualifiziertes, interdisziplinäres Personal und klar definierte Behandlungsabläufe. Dass sich der Aufbau solcher Spezialstationen bewährt hat, zeigt auch die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte: In Deutschland gibt es heute mehr als 350 zertifizierte Stroke Units. Eine Schlaganfallbehandlung in einer auf dieses Krankheitsbild spezialisierte Einheit verringert das Komplikationsrisiko und ermöglicht die schnelle Abklärung der Schlaganfallursache. Dies führt nachweislich zu einer besseren Prognose für die Betroffenen.
In Calw stehen für die Versorgung von Patienten mit akutem Schlaganfall acht speziell ausgestattete Überwachungsbetten zur Verfügung. Neben der engmaschigen Überwachung ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig. Neurologen, Radiologen, Kardiologen arbeiten eng zusammen. „Die notwendigen Strukturen, die technische Ausstattung und entsprechend qualifizierte und geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen rund um die Uhr funktionieren, um jede Patientin, jeden Patienten mit Schlaganfall oder Hirnblutung optimal versorgen zu können“, sagt Daniel Weiß, Krankenhausdirektor der Kliniken Calw. „Dass diese Qualität erneut von unabhängiger Stelle bestätigt wurde, ist zugleich eine Anerkennung für das gesamte Team und stärkt den Standort Calw.“
Seit Anfang 2026 steht die Klinik für Neurologie unter der Leitung von Prof. Dr. Sven Poli. Mit ihm hat ein ausgewiesener Schlaganfallexperte mit internationaler wissenschaftlicher Reputation die Verantwortung für die Calwer Neurologie übernommen. Poli kam vom Universitätsklinikum Tübingen, wo er unter anderem die Schlaganfall- und Intensivstation sowie die neurologische Notaufnahme leitete. Seine Expertise in der Schlaganfallmedizin bringt er seit vielen Jahren auch in die internationale Forschung und den wissenschaftlichen Austausch ein. „Bei einem Schlaganfall reicht es nicht, nur schnell zu sein. Entscheidend ist, dass Diagnostik, Therapie und Überwachung vom ersten Moment an ineinandergreifen“, erklärt er. „Das Zusammenspiel von Ärzten verschiedener Fachdisziplinen, auf dieses Krankheitsbild geschulte Pflegekräfte, Technik und Ausstattung sowie verbindliche Behandlungsabläufe ist es, was eine Stroke Unit auszeichnet. Die erfolgreiche Rezertifizierung bestätigt, dass wir diese hohen Standards in Calw unverändert jeden Tag erfüllen.“
Zur spezialisierten Versorgung gehört, früh über die reine Akutbehandlung hinauszudenken. Die Folgen eines Schlaganfalls können Sprache, Beweglichkeit und Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigen. Deshalb werden auf einer Stroke Unit schon während der Akutphase weitere therapeutische Disziplinen einbezogen. Physio- und Ergotherapeuten wie auch Logopäden arbeiten mit den Patienten. Auch Mitarbeiter des Sozialdienstes werden mit eingebunden, da ein Schlaganfall meist langfristige Auswirkungen auf den Alltag des Patienten und seiner Familie hat und meist eine Anschlussheilbehandlung bzw. Reha notwendig ist. Die Folgen müssen gemanagt werden, und damit wird der Patient oder die Patientin nicht alleine gelassen.
