Aus dem Klinikverbund Südwest

Urologie Nagold und Selbsthilfegruppe besiegeln Zusammenarbeit

16.09.2026

Die Klinik für Urologie an den Kliniken Nagold und die Selbsthilfegruppe Prostatakrebs und Blasenkrebs setzen ihre Zusammenarbeit unter neuer Führung fort. Nach dem Wechsel an der Spitze der Selbsthilfegruppe (SHG) haben der neue Vorsitzende Günter Weiß und Chefarzt Dr. Ulrich Haag die Kooperation nun auch vertraglich neu besiegelt. Die Zusammenarbeit ist fester Bestandteil des von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Prostatakarzinomzentrums in Nagold und soll Patienten über die medizinische Behandlung hinaus Unterstützung, Information und Austausch ermöglichen.

Der neue Vorsitzende kennt die Arbeit der Gruppe bereits gut: Bislang war er als Schriftführer aktiv. 27 Männer und fünf Frauen gehören der Selbsthilfegruppe derzeit an. Mit der Klinik für Urologie verbindet sie bereits seit Jahren ein enger Austausch. Für das zertifizierte Prostatakarzinomzentrum ist die Einbindung der Selbsthilfe dabei weit mehr als eine formale Vorgabe des Zertifizierers. Sie bringt die Perspektive der Betroffenen in die Arbeit des Zentrums ein. „Wir bekommen wertvolle Rückmeldungen und Anregungen zu Fragen, die uns im Klinikalltag nicht immer in dieser Form erreichen, zumal die Patienten heute viel kürzer im Krankenhaus verweilen als früher“, sagt Dr. Haag. Umgekehrt vermittelt die Klinik in Fachvorträgen und Infoveranstaltungen wichtiges Wissen über die Erkrankung – auch eine Gelegenheit, als Betroffener persönlich mit einem Experten sprechen zu können, ohne den direkten Bezug zur eigenen Behandlung. Allein in der Nagolder Urologie wurden 192 Prostatakrebsfälle 2025 neu diagnostiziert. Für die Betroffenen stellen sich damit viele Fragen: Muss immer operiert werden? Welche Alternativen gibt es? Was bedeutet die Behandlung für mich und meine Angehörigen? Und welche Folgen hat eine Operation auf Kontinenz und Sexualität?

„Die erste große Hürde ist die Scheu“, sagt Günter Weiß. Gerade Männern falle es häufig schwer, über ihre Diagnose und ihre Gefühle zu sprechen. Der Austausch mit anderen Betroffenen könne helfen, die eigene Situation besser einzuordnen und Sicherheit zu gewinnen. „Wenn man Informationen hat, hat man das Gefühl, die Situation besser kontrollieren zu können. Dann verliert sie auch ein Stück weit ihren Schrecken.“

Dabei ersetzt die Selbsthilfe weder das ärztliche Gespräch noch medizinische Beratung. Vielmehr wirkt sie ergänzend: Sie bildet einen Raum, in dem man sich öffnen kann, wo man Menschen trifft, die zuhören und verstehen können, wo Erfahrungen ausgetauscht werden. Neben den persönlichen Treffen und den Informationsveranstaltungen ermöglicht der BPS (Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.) dreimal wöchentlich eine Hotline den anonymen Informationsaustausch, was großen Zuspruch findet. Da die Arbeit der Selbsthilfegruppen von so großer Bedeutung ist, unterstützt der BPS die Selbsthilfegruppen intensiv in ihrer Arbeit.

Patientenperspektive gehört zur Behandlungsqualität

Studien und Leistungsbeurteilungen rücken heute neben dem medizinischen Behandlungsergebnis zunehmend die Lebensqualität nach einer Therapie in den Fokus: Wie geht es den Betroffenen im Alltag? Und welche Folgen hat die Behandlung für das Leben der Patienten? Hier sieht auch die Nagolder Urologie einen besonderen Wert der Zusammenarbeit: Die Selbsthilfe gibt Erfahrungen gebündelt an das Zentrum zurück und macht auch über einen längeren Zeitraum hinweg sichtbar, welche Fragen nach Diagnose und Behandlung tatsächlich bleiben.

Für Günter Weiß ist die neue Aufgabe zugleich Teil eines persönlichen Verständnisses von Ehrenamt. Als Prädikant der evangelischen Kirche und durch sein weiteres ehrenamtliches Engagement ist er es gewohnt, auf Menschen zuzugehen und zuzuhören. Diese Erfahrung möchte er nun verstärkt in die Selbsthilfegruppe einbringen. Sein wichtigstes Anliegen ist zunächst, die Hemmschwelle zu senken. Denn häufig, so seine Erfahrung, ist nicht das Gespräch selbst das Schwierigste, sondern der Schritt, es überhaupt zu beginnen.