Als Volker Schmid-Schönberg am 10. Januar 2026 beim Skifahren stürzte und sich den Unterarm brach, schien sein sportliches Jahresziel in weite Ferne gerückt. Der 63-Jährige war bereits für die World Company Sport Games in Dänemark gemeldet und wollte dort bei den Weltmeisterschaften der Betriebssportler über 50 Meter Brust um Gold schwimmen. Knapp fünf Monate nach der Operation im Krankenhaus Leonberg stand er tatsächlich ganz oben auf dem Siegerpodest.
Der Erfolg ist der vorläufige Höhepunkt einer ungewöhnlichen Sportgeschichte. Schmid-Schönberg lebt seit rund 30 Jahren in Leonberg, arbeitete 35 Jahre als Diplom-Ingenieur bei einem großen Stuttgarter Autobauer und ist seit 1989 im Betriebssport aktiv. Tischtennis spielte er bis zur Landesliga, hinzu kamen Skifahren, Volleyball und Tanzen. Zum leistungsorientierten Schwimmen kam er erst Anfang 60.
Bei europäischen Betriebssportspielen hatte er zuvor bereits als Tischtennisspieler teilgenommen. Als er sich dort die Wettkampfzeiten der Schwimmer ansah, war sein Ehrgeiz geweckt. „Da habe ich gedacht: Das kann ich auch“, erinnert sich Schmid-Schönberg.
Sportlich hatte sich diese Entscheidung längst ausgezahlt. 2025 gewann er über 50 Meter Brust in der Altersklasse Ü60 den Europameistertitel. Die World Company Sport Games 2026 sollten nun der nächste Höhepunkt werden. Doch nach dem Skiunfall Anfang Januar in der Schweiz war zunächst unklar, ob eine Teilnahme überhaupt möglich sein würde.
Nach der ersten medizinischen Untersuchung in Interlaken entschied sich Schmid-Schönberg für eine heimatnahe operative Versorgung. Im Krankenhaus Leonberg diagnostizierte das Team der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie um Chefarzt Dr. Holger Rieske, eine dislozierte Radiusschaftfraktur – einen verschobenen Bruch der Speiche im Unterarm. Am 14. Januar, vier Tage nach dem Unfall, wurde Schmid-Schönberg schließlich von Dr. Rieske im Krankenhaus Leonberg operiert.
Eine besondere Herausforderung war die unmittelbare Nähe des Strecknervs zum verletzten Bereich. Der Nerv musste während des Eingriffs dargestellt, unter Sicht geschützt und geschont werden. Der Bruch wurde mit einem Titanimplantat so stabilisiert, dass eine frühzeitige kontrollierte Bewegung möglich war. Nach vier Tagen wurde Schmid-Schönberg aus dem Krankenhaus entlassen.
„Unser Ziel war nicht nur, den Bruch technisch stabil zu versorgen. Wir wollten eine übungsstabile Situation schaffen, damit der Patient den Arm frühzeitig wieder funktionell bewegen kann“, erklärt Dr. Rieske. „Gelenke leben von Bewegung. Werden sie über mehrere Wochen ruhiggestellt, kann das Gelenkspiel bereits nach kurzer Zeit eingeschränkt sein.“
In den ersten Tagen nach dem Eingriff standen Schmerztherapie, Schwellungsreduktion, Wundheilung und der Schutz des verletzten Gewebes im Vordergrund. Daran schlossen sich Physiotherapie und Lymphdrainage an.
„Eine technisch gut gemachte Operation ist die eine Hälfte des Behandlungserfolgs. Die andere Hälfte sind eine konsequente Nachbehandlung und die aktive Mitarbeit des Patienten“, betont der Chefarzt, der vom Ehrgeiz und der körperlichen Konstitution seines Patienten angetan ist. „Er hat die einzelnen Phasen auf dem Weg zurück in den Sport außergewöhnlich diszipliniert durchlaufen. Wir haben die medizinische Grundlage geschaffen – umgesetzt hat er sie mit großer Eigenverantwortung und enormem Trainingswillen.“
Vier Wochen nach der OP zurück im Becken
Bereits am 14. Februar, genau vier Wochen nach der Operation, absolvierte Schmid-Schönberg sein erstes vorsichtiges Schwimmtraining. „Beim ersten Training habe ich nichts gespürt. Es ging erstaunlich gut“, berichtet er. In den folgenden Wochen steigerte er sein Pensum kontinuierlich und trainierte zeitweise dreimal pro Woche – im Verein, mit einem Schwimmtrainer und zusätzlich eigenständig.
Dass der Wiedereinstieg so schnell gelang, war keineswegs selbstverständlich. „In den ersten Tagen nach dem Unfall habe ich nicht mehr daran gedacht, bei den Spielen überhaupt starten zu können“, sagt Schmid-Schönberg. „Aber ich bin ein Bewegungsmensch. Sport gehört für mich zum Leben – und ich wollte diese Goldmedaille unbedingt.“
Am 12. Juni 2026 erfüllte er sich diesen Wunsch. Bei den World Company Sport Games in Dänemark gewann er das Rennen über 50 Meter Brust in seiner Altersklasse. Für Schmid-Schönberg war es der bislang größte Erfolg seiner langen sportlichen Laufbahn.
Seinen Anteil am Erfolg ordnet er dennoch nüchtern ein: „Ohne die gelungene Operation und die gute Nachbehandlung wäre das nicht möglich gewesen. Ich habe mich im Krankenhaus Leonberg vom ersten Moment an medizinisch sehr gut behandelt und auf der Station menschlich gut aufgehoben gefühlt. Mein Dank gilt Dr. Rieske und dem gesamten Team.“
Auch aus ärztlicher Sicht zeigt der Fall, dass das Lebensalter allein wenig über die individuelle Leistungsfähigkeit aussagt. Entscheidend seien der körperliche Zustand, der Heilungsverlauf und die Bereitschaft, die Rehabilitation aktiv mitzugestalten. Zugleich betont Dr. Rieske, dass die Rückkehr in den Wettkampfsport immer individuell beurteilt und strukturiert aufgebaut werden müsse.
Für Volker Schmid-Schönberg ist die Goldmedaille deshalb kein Schlusspunkt. Sein nächstes sportliches Ziel hat er bereits vor Augen: die kommenden europäischen Betriebssportspiele in Athen.
