Aus dem Klinikverbund Südwest

Zwei Projektoren, die mehr als Bilder zeigen: DeMiL unterstützt demenz- und delirsensible Versorgung in Calw

24.08.2026

Der Verein „Demenz mitten im Leben“ (DeMiL) spendet zwei Qwiek.up-Geräte im Wert von rund 16.000 Euro an die Geriatrie-Station der Kliniken Calw. Positive Erfahrungen aus einem vierwöchigen Test auf der Neurologie.

Ein Waldspaziergang, sanftes Wellenspiel oder ein Konzert – und das direkt an der Zimmerdecke: Zwei neue Qwiek.up-Projektoren bereichern ab sofort die Geriatrie der Kliniken Calw. Die Geräte wurden am Dienstag, 11. August, vom Verein „Demenz mitten im Leben“ (DeMiL) an das Team der Altersmedizin um Dr. Sander übergeben. Mit der Spende im Wert von rund 16.000 Euro unterstützt der Verein die demenz- und delirsensible Ausrichtung des Calwer Krankenhausstandorts und schafft zusätzliche Möglichkeiten, insbesondere ältere und kognitiv beeinträchtigte Patientinnen und Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts zu begleiten.

Übergeben wurden die Geräte durch Claus Bannert, 1. Vorsitzender von DeMiL, sowie Monica Volaric, 2. Vorsitzende des Vereins und Heimleitung des Hauses am Wimberg. Auf Seiten der Kliniken nahmen Dr. Michael Sander, Oberarzt und Sektionsleiter Geriatrie der Kliniken Calw, und sein Team die Spende entgegen. Mit dabei waren außerdem Campusmanagerin Sabrina Schäffler, Daniel Weiß von der Krankenhausdirektion und Christina Fritza von der Pflegedirektion.

Die Idee für den Einsatz der Projektoren entstand bereits vor rund zwei Jahren im Rahmen des Projekts zur demenzsensiblen Ausrichtung des Krankenhauses. Im Sommer 2024 wurde ein Qwiek.up vier Wochen lang auf der Neurologie getestet. Die Erfahrungen waren durchweg positiv: Die gezielte Regulierung von Reizen wirkte sich auf Wohlbefinden und Allgemeinzustand der Patientinnen und Patienten aus, förderte Entspannung und Beschäftigung am Tag und unterstützte einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus.

„Gerade für Menschen mit Demenz oder einem Delir kann ein Krankenhausaufenthalt mit enormem Stress verbunden sein. Unbekannte Räume, fremde Menschen und veränderte Tagesabläufe können Unsicherheit und Unruhe verstärken. Unsere damaligen Erfahrungen mit dem Qwiek.up haben eindrucksvoll gezeigt, wie viel eine ruhige, positiv besetzte Umgebung bewirken kann. Patientinnen und Patienten wurden ruhiger und entspannter. Genau an solchen Stellen zeigt sich, dass moderne Altersmedizin neben hoher medizinischer Kompetenz immer auch Zuwendung, Orientierung und Geborgenheit braucht“, sagt Dr. Michael Sander, Oberarzt und Sektionsleiter Geriatrie der Kliniken Calw.

Ein Stück Wald, Meer oder Heimat an der Zimmerdecke

Die mobilen Qwiek.up-Geräte projizieren Videos und Bilder großflächig an Wand oder Decke und verbinden diese mit passenden Geräuschen und Klängen. Gerade für bettlägerige Patientinnen und Patienten entsteht so eine Möglichkeit zur Aktivierung und Beschäftigung, ohne dass sie dafür ihr Bett verlassen müssen. Insgesamt stehen 24 unterschiedliche Module zur Verfügung: vom Konzert über Wellen und beruhigende Geräuschkulissen bis zum idyllischen Waldspaziergang. Auch persönliche Bilder von Angehörigen können eingebunden und an die Zimmerdecke projiziert werden.

Damit eröffnen sich zugleich Perspektiven für die Biografiearbeit: Vertraute Menschen, Orte und Erinnerungen können gezielt aufgegriffen werden und Menschen mit Demenz Orientierung und Sicherheit vermitteln. Die Projektoren lassen sich zudem in Gruppen einsetzen und ermöglichen so mehreren Patientinnen und Patienten gleichzeitig eine angenehme Ablenkung und gemeinsame Sinneserfahrung. Seit der Beschaffung sind die Geräte in der Geriatrie mit großer Resonanz bei Patientinnen und Patienten ebenso wie bei den Mitarbeitenden im Einsatz.

„Unser Ziel ist es, Menschen mit Demenz nicht auf ihre Erkrankung zu reduzieren, sondern ihnen Wärme, Vertrauen und Zuneigung entgegenzubringen. Manchmal sind es vermeintlich kleine Dinge, die einen großen Unterschied machen. Wenn vertraute Bilder, Musik oder Naturaufnahmen einem Menschen Ruhe geben, Erinnerungen wecken oder einfach einen schönen Moment schenken, dann ist viel erreicht“, betonen Claus Bannert und Monica Volaric für den Verein DeMiL.

Der Verein ist seit Jahren eng mit der demenzsensiblen Weiterentwicklung der Kliniken Calw verbunden. DeMiL ist als eingetragener Verein zugleich Teilnehmer des Bundesmodellprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“. Zu seinen Zielen gehören die Unterstützung von Menschen mit Demenz sowie die Sensibilisierung und Aufklärung der Gesellschaft. Die beiden Qwiek.up-Geräte hatte der Verein bereits im Zuge der Planungen für den Calwer Neubau zugesagt; die Spende war ausdrücklich für den neuen Krankenhausstandort vorgesehen.

Altersmedizin als Herzensthema der Kliniken Calw

Mit dem Ausbau der Geriatrie und der Schmerztherapie setzt der Neubau der Kliniken Calw einen besonderen Schwerpunkt auf die Versorgung älterer und mehrfach erkrankter Menschen. Schon während der Planung der neuen Geriatrie wurde deshalb berücksichtigt, wie medizinische Versorgung, Pflege und moderne Gebäudetechnik ineinandergreifen können.

Die Station ist konsequent demenz- und delirsensibel ausgerichtet. Abläufe, Betreuung und räumliche Gestaltung sollen Orientierung geben, Sicherheit vermitteln, Stress reduzieren und die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten möglichst lange erhalten. Eine ruhige und klar strukturierte Umgebung sowie vertraute Elemente können dazu beitragen, Unsicherheiten abzubauen.

Dazu gehört auch ein gemeinsames Projekt, das Heimat in die Patientenzimmer bringt: Im Rahmen eines Fotowettbewerbs wurden prägende Motive und Szenen aus dem Landkreis gesammelt. Die regionalen Bilder schaffen Wiedererkennung und Vertrautheit und können so Orientierung, Geborgenheit und Würde unterstützen.

Auch die Sensibilisierung der Mitarbeitenden spielt eine zentrale Rolle. Hierzu haben Dr. Sander und Frau Heidi Luz, Fachkraft für aktivierende therapeutische Pflege Geriatrie, Schulungen mit den Klinikbeschäftigten durchgeführt. Dabei wurde Wissen über Demenz und Delir vermittelt, das hilft Veränderungen im Verhalten besser einzuordnen und noch bewusster auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen. Das Konzept „demenzsensibles Krankenhaus Calw“ wurde von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Campusmanagerin Sabrina Schäffler erarbeitet und implementiert. In diesem Zuge wurden der Standort Calw „Demez Partner“. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und dem Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie.

„Eine demenz- und delirsensible Versorgung lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme erreichen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus medizinischer und pflegerischer Expertise, einer geeigneten Umgebung und vor allem Menschen, die sich auf die besondere Situation unserer Patientinnen und Patienten einlassen. Die Unterstützung von DeMiL ist deshalb für uns weit mehr als eine Sachspende. Sie ist Teil einer langjährigen gemeinsamen Entwicklung unseres Standorts“, sagt Daniel Weiß, Krankenhausdirektor der Kliniken Calw.

Perspektivisch sind weitere Einsatzmöglichkeiten für die Projektoren denkbar. Insbesondere auf einer Intensivstation, auf der das Risiko für die Entwicklung eines Delirs besonders hoch ist, könnten vergleichbare niedrigschwellige Angebote künftig eine sinnvolle Ergänzung der Versorgung darstellen.

Gemeinsam Zeit schenken: Ehrenamtliche für die Patientenbegleitung gesucht

Technik kann unterstützen, persönliche Zuwendung kann sie jedoch nicht ersetzen. Ergänzend zur demenz- und delirsensiblen Ausrichtung der Kliniken Calw engagieren sich deshalb der Kreisseniorenrat Calw, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Klinikverbund Südwest gemeinsam für den Ausbau des Projektes ehrenamtlichen Patientenbetreuung im Krankenhaus. Gesucht werden Menschen aus Calw und der Region, die insbesondere älteren Patientinnen und Patienten sowie Menschen mit Demenz oder Delir während ihres Krankenhausaufenthalts Zeit und Aufmerksamkeit schenken möchten.

Ob bei einem Gespräch, beim Vorlesen, bei gemeinsamer Beschäftigung oder einfach durch persönliche Anwesenheit: Gerade für Menschen mit kognitiven Einschränkungen kann eine zugewandte Begleitung in der ungewohnten Krankenhausumgebung wertvoll sein. Ehrenamtliche ergänzen dabei die professionelle medizinische und pflegerische Versorgung und können dazu beitragen, Orientierung, Sicherheit und menschliche Nähe zu vermitteln.

Der Kreisseniorenrat Calw, der DRK Kreisverband Calw und der Klinikverbund Südwest laden daher Bürgerinnen und Bürger ein, sich in der ehrenamtlichen Patientenbetreuung zu engagieren. Im Vordergrund stehen Freude am Umgang mit Menschen, Empathie, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Zeit zu schenken. Kontaktaufnahme möglich über kreisseniorenratcalw@gmail.com oder info@drk-kv-calw.de

Wer sich darüber hinaus für das Thema Demenz engagieren und die regionale Arbeit unterstützen möchte, hat zudem die Möglichkeit, sich dem Verein „Demenz mitten im Leben“ (DeMiL) anzuschließen und dessen Arbeit als Mitglied zu unterstützen. „Demenzsensibilität ist keine Aufgabe einzelner Berufsgruppen. Sie lebt von Aufmerksamkeit und Mitmenschlichkeit – im Krankenhaus genauso wie in unserer Gesellschaft. Deshalb freuen wir uns über jeden Menschen aus der Region, der bereit ist, sich einzubringen und gemeinsam mit uns ein Stück Nähe und Sicherheit zu schenken“, erklären DeMiL und der Klinikverbund Südwest gemeinsam.